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fbÄ #54 - Artikel #2 - - - feb 2007
Mein Führer: Helge Schneider

[mad]Die Weihnachstfilme sind gelaufen und die Sommerfilme noch nicht da, Zeit also für einen Lückenfüller. Thema dieses Jahr: „Herr Hitler“, die Witzfigur. Nachdem zunächst Geld für „Der Untergang“ zum Fenster rausgeschmissen wurde nähert sich das Filmestablishement den zwölf dunklen Jahren, wie der Faschismus gerne auch verniedlichend genannt wird, nun von Seiten der Komödie. Mensch fragt sich schon, ob die eingekauften Schauspieler wirklich für jedes noch so schlechte Drehbuch zu haben sind. Unter der Regie von Dani Levy mimt Helge Schneider “Den Führer“, Katja Riemann ist Eva Braun und Ulrich Mühe gibt die zweite Hauptfigur neben Hitler, den Schauspiellehrer Adolf Grünbaum. Da die Figur Grünbaum bereits früher mal in den Dreißigern „Herrn Hitler“ als persönlicher Trainer assistierte, soll er es erneut richten. Diesmal ist nämlich Not am Mann. Berlin liegt in Trümmern, das Ende des Tausendjährigen Reiches ist -alliierte Truppen sei Dank- doch schneller gekommen als vom „Führer“ geplant und im Volk, so die Erzählstimme aus dem Off, glaubt auch niemand mehr an den „Endsieg“. Abhilfe soll so Goebbels ein großer Aufzug bringen, auf dem Hitler die treuen Volksgenossen aus ihrer Lethargie holen und damit das Ruder doch noch rumreißen soll. Eine Rede soll es werden, wie in den guten alten „Kämpferjahren“. Alles ist bereits organisiert nur ein Detail passt nicht ins Konzept der Organisatoren. „Der Führer“ hat Starallüren und ist einfach nicht gut drauf. Warum? Vermutlich wegen dem abzusehenden Ende vom „Großdeutschen Reich“. Grünbaum hilft ihm trotz anfänglicher Gewissensbisse dann doch. Immerhin soll, so der Deal, ein ganzes KZ freigelassen werden, wenn Hitler in den verbleibenden Tagen bis zum Auftritt fit gemacht wird. Naja, so weit, so witzig. Eigentlich könnten einem die Macher dieses Filmchens wirklich leid tun. Die Tatsache, dass Hitler keine offensichtlich lächerlichen Aspekte hat, bzw. die mehr oder weniger verbreitete Assoziation: Hitler gleich Nazis gleich Holocaust, legt die Latte für das Ziel, Hitler lächerlich zu machen, ziemlich hoch. In anderen Worten: an der Verharmlosung der faschistischen Verbrechen wird zwar nach Kräften auch mit filmischen Mitteln gearbeitet, aber noch ist es nicht so weit, dass mensch die „zwölf dunklen Jahre“ gleich ganz als etwas überzogenen Karnevalsscherz versteht. Insofern musste „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler” einfach scheitern und der Versuch, etwas an den Nazis lächerlich zu machen, wie ein Bumerang zurückkommen auf diejenigen, die solche Filme machen. Nicht Hitler wird lächerlich gemacht, sondern der Film ist eine einzige langweilige Blamage für alle Akteure, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Zwar haben Filmemacher hierzulande technisch einiges hinzugelernt, aber beim Drehbuchschreiben klemmt es noch mächtig. Komödien gehen schlichtweg anders. Wer sowas mit simplen Schenkelklopfern versucht, kann gleich einpakken. Da gibt es Hitler den Bettnässer, Hitler den Versager im Bett, Hitler, den von seinen Untergebenen nicht mehr ernstgenommene. Levi, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch verfasste, ist der Meinung, dass Hitler als Witzfigur darstellbar ist. Das ist schlicht und ergreifend nicht der Fall und auch der gerne zitierte Kronzeuge Charlie Chaplin, der mit „Der große Diktator“ (1940) die Vorlage für eine Verbindung von Klamauk und Faschismus lieferte, ist nach eigenem Bekunden an dieser Aufgabe gescheitert. Niemals, hätte er (Chaplin) einen solchen Film gemacht, wenn er um das volle Ausmaß der faschistischen Verbrechen gewußt hätte, so Chaplin nach dem Ende der Nazidiktatur. Wer sehen will, wie man Komödie und Faschismus filmisch verbinden kann, sei an “Zug des Lebens” von Radu Mihaileanu verwiesen. “Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler”, Regie: Dani Levy, 95 min, bereits angelaufen.

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