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fbÄ #53 - Artikel #1 - - - dez 2006
Hui Buh - Schlossgespenster ?

[fbÄ, cray] Wer kennt nicht die amüsante Geschichte vom selbstbewussten englischen Schlossgespenst, das seine traditionelle Rolle sehr wichtig nimmt und unter der respektlosen Behandlung durch die neuen amerikanischen Besitzer leidet, durch ihre spöttische, nüchtern-hemdsärmlige Sachlichkeit in Angst und Verzweiflung versetzt wird, aber schließlich, durch das Mitleid eines unschuldigen Mädchens erlöst, seine Ruhe findet? Oscar Wilde gelang mit dem Werk „Das Gespenst von Canterville“ 1886 eine Mischung von romantischem Märchen und witziger Satire auf den englischen Spiritismus. Wilde parodiert die zeitgenössischen Schauerromane und führt die Gespensterfurcht durch einfache Umkehrung - indem das Gespenst sich vor den Menschen fürchtet - ad absurdum. Hui Buh – Das Schloßgespenst ist das einzige behördlich zugelassene Gespenst auf Schloss Burgeck. In den 70er Jahren und Anfang der 80er wurde Hui Buh erneut vertont und als Serie mit Hans Clarin als Hui Buh erfolgreich fortgesetzt. Die Verfilmung, die im Sommer in den Kinos anlief, wurde nicht zum Kino-Hit. Von einem Schlossgespenst in Freiberg war bisher noch nie die Rede. Dabei lassen die im Internet zugänglichen Chroniken zum Schloss "Freudenstein" vermuten, dass noch einige Geister mehr oder weniger prominenter Persönlichkeiten in den frisch renovierten Gemäuern ihren Dienst tun, allerdings weder behördlich genehmigt noch als Anti-Gespenster. Aber das ließe sich doch ändern. Zwar enthalten die Chroniken so gut wie gar keine Hinweise über die ArbeiterInnen, die das Bauwerk tatsächlich schufen, dafür aber eine Menge über SchlossbesucherInnen. Markgraf Otto der Reiche soll im 12. Jahrhundert die Burg „Freiheitsstein“ zum Schutze des Bergbaus und der sich entwickelnden Gemeinde Freiberg errichtet haben, in der man im Mittelalter Münzen prägte und so das Silber aus den Bergwerken verarbeitete. Die Burg war die Schatzkammer Freibergs und Sachsens. Im 16. Jahrhundert ließ Kurfürst August die baufällige Burg abreißen und an gleicher Stelle das Renaissanceschloss mit dem Namen "Freudenstein" erbauen. Der kursächsische Landesbaumeister, Hans Irmisch, der seine Karriere als Maurer begann, leitete den Umbau. Als Folge des Aufstiegs von Dresden als Residenzstadt wurde Schloss Freudenstein von 1784 bis 1805 zu einem Militärmagazin umgebaut und diente in den nächsten Jahrhunderten als Speicher. Schloss Freudenstein war Futterkrippe für Freiberg. Einzelne Räume wurden 1972 als Jugendklub genutzt und zur 800 Jahrfeier der Stadt wurde 1986 im Keller eine Schlossgaststätte eingerichtet, die 1992 wieder geschlossen wurde. Burg und Schloß beherbergten Kaiser, KurfürstInnen, Herzöge, einen Zaren, Minnesänger, Soldaten, Gefangene, Kriegsverletzte, Denkmalspfleger, Punks und SchülerInnen des Scholl-Gymnasiums. Im Schloss waren eine Kaffeerösterei, Brennstoffgeologie und Jugendclubs untergebracht. Bevor es endgültig in städtischen Besitz überging war es Adelssitz, Volkseigentum im realexistierenden Sozialismus. Schloß Freudenstein war Schatzkammer, Silberstätte, Getreidespeicher und Fördermittelobjekt. Das Gespenst Efre, ein spätes Kind von Zeus und seiner Europa, bescherte der Stadt Freiberg, seinem Mittelstand und ausgewählten Kulturschaffenden in Form eines Förderprogramms der Europäischen Union (Efre-Programm) Millionen Euros. Zukünftig wird das Schloss zigtausenden Mineralien ein zuhause sein. Von ihrer Pracht sollen Touristen in die Stadt gelockt werden, für die geeignete Parkräume geschaffen werden müssen. Im Zuge der Errichtung eines Parkhauses, werden im näheren Umkreis des Schlosses die Parkgebühren für alle BürgerInnen steigen - sehr zur Freude des Stadtkämmeres, der schon Pläne über neue "Reuter-Automaten" auf dem Parkplatz des Tivoli schmiedet. Gespenst Uta legt mit dem Schlossprojekt die Grundlagen für ihre eher unwahrscheinliche Wiederwahl als Oberbürgermeisterin. So macht Schloss Freudenstein mit seinem Gespenst "Happy Hour" seinem Namen alle Ehre: Freuden schaffen, Steinfreuden! Und was ist mit weiteren Gespenstern? Vielleicht, mag sein, steckt in einem übriggebliebenen barocken Schrank - ein kleiner, aber gewiefter Punk als Anti-Gespenst.

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