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| fbÄ #52 - Artikel #3 - - -okt 2006 |
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Auf der Suche nach Christian Heinrich Spiess
Im Rahmen eines literarischen
Symposiums Der wiederentdeckte Böhmerwald, eine traditionsreiche
europäische Kulturregion, das vom 28.-30. September 1995 in Klatovy
stattfand, hielt der Prager Literaturwissenschaftler Prof. Václav Maidl
einen Vortrag mit dem Titel Christian Heinrich Spiess: Die Widerspiegelung
der Aufklärungsatmosphäre in seinen Erzählungen und Romanen.
In seinem Beitrag stellte Professor Maidl die Bedeutung von Heinrich Spiess
für die Epoche der Spät-Aufklärung heraus. Mitglieder der Christian-Heinrich-Spiess-Gesellschaft
aus Freiberg erhielten bei ihrem Besuch an der letzten Wirkungsstätte des
aus Freiberg stammenden Schauspielers und Dichters Anfang August einen Sammelband,
in dem die Beiträge des Symposiums abgedruckt sind, aus den Händen
von Herrn Bohumil Knotek, dem Sprecher des Bürgermeisters von Klatovy.
"Wenn heute der Name Christian Heinrich Spiess in den literaturhistorischen
Werken überhaupt noch auftaucht, dann im Zusammenhang mit dem sogenannten
Schauerroman für dessen Vater er gehalten wird", schreibt Prof. Maidl
und macht darauf aufmerksam, dass Spiess in der Zeit seines Prager Theaterengagements
die Vorlesungen zu einer guten Schreibart von Professor Karl Heinrich
Seibt besuchte, dem Prager Aufklärer und Bahnbrecher des Deutschen als
Unterrichtssprache an der Universität. Zwei Arbeiten des talentierten Spiess
werden von Seibt in seinem Musterbuch, Hilfsmittel einer guten Schreibart
(1773), aufgenommen. Spiess hat ungefähr 43 Romane und Bände mit Erzählungen
verfasst. Sein Erstlingswerk "Biographien der Selbstmörder" (1785,
BS) leitet Spiess mit einem Zitat von Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)
aus dem sächsischen Hainichen ein: Laßt uns die Unschuld oft
im größten Unglück sehn, Und leidet mit bey fremden Schmerzen,
Dies Mitleid heiligt unsre Herzen. Diese Gellert- Worte sind für
Spiess Programm und Standpunkt zugleich. In der Vorrede zu den BS bekennt sich
Spiess zu Gellerts Aussagen und verteidigt das Thema des Selbstmordes für
die literarische Darstellung. Auffällig erscheint , dass zur häufigen
Versündigung von Spiess Figuren das gehört, was in seiner Zeit
als sexuelles Delikt angesehen wurde: der voreheliche Geschlechtsverkehr, dessen
Folgen ein uneheliches Kind oder wenigstens der schlechte Ruf eines gefallenen
Mädchens sind.
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