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| fbÄ #50 - Artikel #2 - - - juni 2006 |
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Die Mörder von Sant'Anna di Stazzema sind unter uns
Dreißig Personen sammelten am 6. Mai an einem Infostand in der Petersstraße in der Freiberger Innenstadt innerhalb von zwei Stunden 132 Unterschriften von vorbeikommenden Bürgern und BürgerInnen, die damit die Forderung unterstützten, dass die in Italien zu lebenslanger Haft verurteilten SS-Mitglieder, die am Massaker von SantAnna di Stazzema beteiligt waren, auch vor ein deutsches Gericht gestellt werden. Für den 6. Mai wurde bundesweit zu einem Aktionstag für die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens in Deutschland in den Orten aufgerufen, in denen die ehemaligen SS-ler einen ruhigen Lebensabend verbringen. Deshalb zog noch eine kleine Gruppe zum Seniorenheim Johanna Rau, in dem der in Italien zu lebenslanger Haft verurteilte SS-Mörder Alfred Concina lebt. Sie verteilten dort Flugblätter und erklärten über Megaphon, dass sie so lange wieder kämen, bis das Gerichtsverfahren gegen Concina und die anderen SS-Täter eröffnet sei. Während des Infostandes wurden Redebeiträge gehalten und antifaschistische Lieder gespielt. Die Unterschriften wurden am Dienstag dem 9. Mai der Oberbürgermeisterin Dr. Uta Rensch übergeben als Zeichen dafür, dass es in Freiberg etliche Menschen gibt, die ein Gerichtsverfahren gegen die SS-Täter wünschen. Die OBin erklärte, dass sie für eine schnelle juristische Lösung sei und versprach die Unterschriften weiter zu leiten. Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, demonstrierten 80 Menschen vor der Staatsanwaltschaft in Stuttgart, die das Verfahren bearbeitet und der der Verschleppung des Verfahrens vorgeworfen wird. In Italien wurde der Aktionstag bei den Überlebenden des Massakers und den Angehörigen der Opfer mit Freude aufgenommen. Redebeitrag FreibÄrger Jugendinitiative "Nie mit den Mördern gemein machen..." Liebe Freunde und Freundinnen, Ich spreche hier im Namen der Freibärger Jugendinitiative buntes leben und freue mich, dass doch einige Menschen zusammen gekommen sind, um heute unsere Forderung zum wiederholten Male in die Öffentlichkeit zu tragen: Kein ruhiger Lebensabend für SS-Mörder! Bringt sie endlich in dem Land vor Gericht, von dem aus die schlimmsten Verbrechen in die Welt gebracht wurden. Gebt den Opfern des Massakers von Sant Anna di Stazzema endlich diese Genugtuung. Mit Entsetzen beobachten wir eine Justiz in diesem Land, die sich nie mit den NS-Verbrechen auseinander gesetzt hat, obwohl einige der schlimmsten Nazi-Schergen aus ihr hervorgingen. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft verschleppt die Verfahren gegen die 9 noch lebenden in Italien zu lebenslang verurteilten SS-Mörder, darunter der in Freiberg lebende Alfred Concina. Derselbe Staatsanwalt, der junge AntifaschistInnen bestrafen will, weil sie mit durchgestrichenen Hakenkreuzen ihren Protest gegen Neonazis zum Ausdruck bringen, weigert sich offenkundig, die Verfahren gegen NS-Kriegsverbrecher eröffnen zu lassen. Das ist bundesdeutsche Realtität, gegen die wir auch heute angehen müssen! Wir lassen nicht lokker, solange die Verfahren nicht eröffnet sind! Unsere Solidarität gilt den 560 Opfern des Massakers von Sant Anna di Stazzema vom 12. August 1944. Wir können uns nie mit den Mördern gemein machen! Grußwort von Enio Mancini Liebe deutsche Freunde, wir haben von eurer lobenswerten Initiative erfahren, mit der ihr die deutsche Öffentlichkeit darauf hinweisen wollt, wie wichtig und dringend es ist, dass auch in eurem Land weiter für die Wahrheit und für Gerechtigkeit gestritten wird. Am 22. Juni des vergangen Jahres hat ein italienisches Gericht in La Spezia endlich ein Urteil gesprochen im Verfahren gegen 10 SS-Soldaten, die am 12. August 1944 an dem Massaker in SantAnna di Stazzema beteiligt gewesen sind. Es handelt sich um Werner Bruss, Alfred Concina, Ludwig Göring, Karl Gropler, Georg Rauch, Horst Richter, Heinrich Schendel, Alfred Schönemberg, Gerhard Sommer und Heinrich Sonntag. Sie alle wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch wenn dieses Urteil mit unverzeihlicher Verspätung kommt, so stellt es doch eine symbolische Vergeltung für das Unrecht dar, das 560 ermordete Unschuldige, meist Kinder, Alte und Frauen, sowie die Überlebenden und Familienangehörigen der Opfer erleiden mussten. Jetzt müsste auch endlich die Staatsanwaltschaft Stuttgart, so wie sie es uns seit langem versprochen hat, ähnliche Maßnahmen in Deutschland einleiten. Doch zu unserem großen Bedauern passiert das bis heute leider noch nicht.Nachdem 60 Jahre lang Gerechtigkeit verweigert wurde, scheint es leider, als würde man weiterhin den historischen und moralischen Wert dieser Prozesse unterbewerten, obwohl sie doch die einzige Möglichkeit darstellen mit Nachdruck zu bekräftigen, dass Niemand, egal welcher Armee oder Miliz er angehört, an keinem Ort der Welt, angesichts solcher Verbrechen glauben darf, ein Recht auf Straffreiheit zu haben. Wir danken Euch nochmals und fühlen uns Euch und euren Forderungen verbunden. Verein der Märtyrer von SantAnna di Stazzema, Enio Mancini |
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