akt.ausgabe archiv infotexte forum impressum ![]()
|
FreibÄrger | |
| | akt. ausgabe | archiv | infotxt | forum | impressum | | ||
| fbÄ #50 - Artikel #1 - - - juni 2006 |
||
Wohnung weg mit Stadtumbau
Stellen Sie sich vor, Sie haben vor etwa 10 Jahren ein "Stück Freiberg" gesucht und haben dabei eine Wohnung bei der Städtischen Wohnungsgesellschaft gefunden. Sie waren kaum überrascht darüber, dass der Zustand der Wohnung nicht der Beste war. Sie haben selbst Hand angelegt und sich ein gemütliches Heim geschaffen, dazu einen kleinen Garten angelegt und im Schuppen einen wohl organisierten Werkraum eingerichtet. Es dauerte ein paar Jahre bis Sie sich richtig wohl gefühlt haben, auch wenn es noch immer keine Zentralheizung gibt. Nach etwa zehn Jahren, Anfang 2006, erhalten Sie von ihrer Wohnungsverwaltung, die sich sonst nur bei Jahresabrechnungen und kleinen Mieterhöhungen meldete, auf Renovierungsforderungen aber keinen Mucks von sich gab, einen Brief, in dem Ihnen reichlich verklausuliert der Rausschmiss aus der geliebten Wohnung als eine Art Geschenk angeboten wird. Die Geschichte ist nicht frei erfunden. Seit der Proklamation eines "Stadtumbaus", im Jargon der Stadtplaner "Rückbau Ost", realpolitisch staatlich subventionierte "Vernichtung von Wohnraum", Anfang des Jahres durch die Geschäftsleitung der SWG, später auch von der Oberbürgermeisterin, haben etliche BürgerInnen aus Freiberg einen richtig netten Brief erhalten [siehe Dokumentation], der den EmpfängerInnen den Rauswurf aus ihren eigenen vier Wänden abnötigt. Kaum war der SWG-Skandal "Friedeburg-Deal" halbwegs über die Bühne gebracht, lockten neue Subventionsgelder und die neue Möglichkeit der Abriss-Kündigung. Für den Rückbau Ost fließt wieder reichlich Steuergeld. "Mit dem Erhalt der SWG als kommunales Wohnungsunternehmen haben wir einen starken Partner, der in der zukünftigen Stadtentwicklung und dem darin verankerten Stadtumbauprozess eine wichtige Rolle spielen wird", verkündet die Oberbürgermeisterin Dr. Uta Rensch auf der Titelseite des Amtsblatts Nr. 8 vom 29. März und sie hebt mit einem Seitenhieb auf den gerade erfolgten Verkauf öffentlichen Wohnraums in Dresden hervor: "Während in anderen deutschen Großstädten die stadteigenen Wohnungsbestände an ausländische Investmentfonds veräußert werden, ist sich die Stadt Freiberg der eigenen Verantwortung zur Stadtentwicklung bewusst und kann dieser gemeinsam mit ihren Partnern nachkommen. Dem kann sich Marcel Sonntag, Geschäftsführer der SWG, nur anschließen: "Als Partner der Stadt können wir unsere Rolle nicht nur als vertrauensvolle Vermieterin weiter ausbauen, sondern auch als Initiator und Förderer von sozialen Projekten zur Sicherung und Weiterentwicklung der Wohnzufriedenheit in unserer Stadt beitragen." Die Argumente für die "neue" Wohnungspolitik klingen wenig überzeugend: überalterte Bevölkerung, überteuerte Sanierungen, überhöhte Ansprüche der MieterInnen. Auf die BewohnerInnen des Objekts "Münzbachtal 2" trifft das alles nicht zu. Während in anderen Städten die Abrissbagger auf leerstehende Plattenbauten los gelassen werden, muss in Freiberg auch voll genutzter und relativ solider Wohnungsbestand der Abrisspolitik weichen.Die Entscheidung über Abriss fällt die Geschäftsführung der SWG und bei aller Beteuerung, mit den betroffenen Mietern auf Basis eines gegenseitigen Vertrauens Lösungen zu finden, sind nichts Anderes als hohle Worte, weil die Mieter- Innen nicht das zurück bekommen, was sie aufgeben müssen. Der geplante Abriss des Objekts Münzbachtal 2 wirft noch weitergehende Fragen auf: warum bleiben in unmittelbarer Nähe Objekte erhalten, deren Bausubstanz offenkundig schlechter ist und weshalb entstehen im Umkreis von 500m neue Wohnobjekte, wo doch die Bevölkerung in Freiberg rapide abnimmt. Es ist etwas faul schreibt Gottfried Walther in einem Leserbrief an die "Freie Presse" [23.05.2006, S. 10] und vermutet neben "Sabotage" einen "neuen Deal", weil für den Stadtumbau Häuser abgerissen werden sollen, die mit Fördermitteln saniert wurden, voll bewohnt sind und keinem Bauvorhaben im Wege stehen. SWG-Manager verurteiltDas Strafverfahren gegen die zwei Ex- Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft Freiberg (SWG) ist am 24. April mit einer Verurteilung zu Ende gegangen. Karl Karner wurde zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verurteilt. Er muss zudem 10.000 Euro zahlen. Das Verfahren gegen den zweiten Geschäftsführer Siegfried Weiß wurde wegen dessen geringer Schuld bereits eingestellt. Er muss 1000 Euro zahlen. Beiden wurde Subventionsbetrug durch Verkauf von 930 Plattenbauwohnungen in Friedeburg 1996 vorgeworfen. |
||
| | printable | prev | top | next | |