potw

 

 

akt.ausgabe

archiv

infotexte

forum

impressum


last update

logo
  FreibÄrger
| akt. ausgabe | archiv | infotxt | forum | impressum |  
fbÄ #49 - Artikel #1 - - - april 2006

Geistesblitze vom CDU-Patriotismus
"Im Vergleich zu Stalin war Hitler nahezu liberal!"


Kaum jemand schert sich darum, wenn gestandene sächsische CDU-Politiker wie Henry Nitzsche (47) in Zeitschriften wie der "Deutschen Militärzeitschrift" Artikel veröffentlichen, gleich neben Beiträgen wie „Adolf Hitler als Feldherr und Stratege“, „Die Eichenlaubträger“ oder „Die Abwehrschlacht. Die Kämpfe im Süden der Ostfront 1943 – 45“. Die CDU beansprucht für sich, jeder Zeit auf dem Boden einer freiheitlich demokratischen Verfassung zu stehen und meint deshalb auch den einzig wahren "Patriotismus" verkünden zu dürfen. Unterstützung findet sie dabei in den erlauchten akademischen Hallen der TU Chemnitz, wo der sich immer sehr weit rechts aus dem Fenster lehnende Professor Arnulf Baring am 31. Januar den letzten Vortrag im Rahmen der von Jesse, Kroll (Bild) u.a. organisierten Ringvorlesung „Deutscher Patriotismus im vereinten Europa“ halten konnte. Es gab auch einen kleinen Protest von studentischer Seite. FreibÄrger dokumentiert den Protesthandzettel. Obiges Zitat von Baring zeugt von der Qualität seiner geisteswissenschaftlichen Darbietungskunst unter dem Titel „Es lebe die Republik, es lebe Deutschland“.


Arnulf Baring
Dokumentation
Eine neue Bewegung stellt sich vor (und wir stellen ihr nach)

Sie sind Besucher einer Veranstaltung, bei der Arnulf Baring spricht. Insoweit mussen wir Sie sensibilisieren. Achten Sie bitte auf etwaige Formulierungen, die den Sprecher in die rhetorische Nä he einer gewissen Epoche rücken (Sie wissen schon, welche): 1990 schrieb Baring in der Welt über deutsche Gebiete im heutigen Polen: ,,Es wird selbstverständlich werden, nicht mehr die polnischen Namen zu benutzen, was eine Form von Sklavensprache ist, eine gehemmte, unfreie Untertanen-Mentalität zeigt. „, oder: „ Vielleicht brauchen wir einen stärkeren Bundespräsidenten, der überfällige Reformen per Notverordnung in Krqft setzen kann. „, bis zu: ,,Hitler hat den Leuten einen Elan vermittelt, der vollkommen von uns gewichen ist. „ Stichwort ,,Neue Rechte“: Wir haben es hierbei mit einer Gruppe von Politikern bzw. Wissenschaftlern zu tun, denen es möglich ist, Diskurse zu inszenieren, allein durch die Auswahl der Themen und Redner und so ihren Ausgang zu beeinflussen. Insofern das Publikum darauf ein geht! Erst einmal ist zu bemerken, dass dies keine Veranstaltung mit wissenschaftlichem Anspruch ist, denn sie wird maßgeblich von einem rechts-konservativen Konsens getragen. Wie sollte es auch anders sein, wenn größtenteils Fürsprecher des Patriotismus eingeladen wurden? Prinzipiell betrachten wir die gesamte Patriotismusdebatte als einen Ausgangspunkt für Nationalismus, kulturellen Dünkel und Ignoranz gegenüber dem Anderen. Die Patriotismusdebatte wurde nach dem Wahlerfolg der NPD von einschlägigen Kreisen in der CDU angeschoben. Und heute sind Sie Zeuge der Instrumentalisiemng einer eigentlich unabhängigen Institution. Die TU Chemnitz und Teile ihres politischen Lehrstuhls geben dieser parteipolitisch motivierten Patriotismusoffensive ein öffentliches Podium. Mal abgesehen von eindeutig verortbaren Persönlichkeiten wie Baring, Rößler und Kronenberg, tragen auch die Professoren Jesse, Neuss und Kroll, ob gewollt oder nicht, zu einer tendenziell unausgewogenen Debatte im Sinne einer deutschtümelnden Revisionskultur bei.
| printable | prev | top | next |