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fbÄ #48 - Artikel #2 - - - feb 2006

Antifaschistische Mahnwache

[fbÄ] „Wir haben die antifaschistische Mahnwache deshalb hier veranstaltet, um die Öffentlichkeit über diese Zustände aufzuklären. Wir wollen keine alten Leute erschrecken oder einen Krawall veranstalten wie uns vonseiten der Heimleitung und auch der Ordnungsbehörde unterstellt wurde und wird“, erklärt die Sprecherin der FreibÄrger Jugendinitiative „Buntes Leben“, Clara- Anne Bünger, am Ende ihres Redebeitrags und formuliert auch die Forderungen, die sie zusammen mit Mitgliedern von „Schule ohne Rassismus“, der Antifa-Gruppe Freiberg und der Linkspartei.PDS aufgestellt hat:

„Wir wollen eine Verurteilung der Mörder von Sant’ Anna di Stazzema in der BRD! Und fordern die sofortige Eröffnung eines Strafverfahrens gegen die Mörder von Sant’ Anna di Stazzema in der Bundesrepublik! Wir erklären uns vollständig solidarisch mit den Überlebenden des Massakers von Sant Anna di Stazzema und ihren Angehörigen!“ Während des Redebeitrags vor ungefähr 40 überwiegend jungen Leuten, versuchte die Heimleiterin Hein, ihr das Mikrofon aus der Hand zu entreissen, um ihre Wahrheit zu verkündigen. Der Versuch misslingt genau so wie die Absicht von 25 neonazistischen Jugendlichen, durch ihren „Aufmarsch“ die Mahnwache zu stören. Es gibt heftige Wortwechsel zwischen der Heimleitung, dem Mitglied der Geschäftsführung vonseiten der Kirche, Pfarrer Breutel, und jugendlichen DemonstrantInnen, die in der Äußerung des Pfarrers gipfeln, dass man den alten SS-Mörder doch in Ruhe sterben lassen solle. Auf den Einwurf einer jungen Frau, dass der an einem Massenmord beteiligt gewsen sei, fiel dem Vertreter der Christenlehre nur ein schroffes „Na und!“ ein. Durch solche und andere Provokationen ließen sich die Jugendlichen nicht irritieren. Der Erfolg der Aktion lag in ihrem medialen Echo. Die „Freie Presse“, die im Sommer 2005 keine Zeile über das Urteil gegen die deutschen SS-Killer veröffentlichte, ließ eine Woche nach der Mahnwache keinen Tag verstreichen, ohne über den in Freiberg lebenden zu lebenslanger Haft Verurteilten Alfred Concina zu berichten.
Unverschämt und einer guten Presse nicht würdig, war die Behauptung des Chefredakteurs der Lokalredaktion Freiberg, Uwe Kuhr, die „Freie Presse“ habe die Geschichte durch eigene Recherche herausgefunden. Da berichtete die „Sächsische Zeitung“ fairer und ließ auch die Jugendinitiative zu Wort kommen. Der MDR, der ebenfalls von den Jugendlichen informiert wurde, schickte ein Team in das Seniorenheim „Johanna Rau“, um den SS-Mörder zu Wort kommen zu lassen. Natürlich war der nicht so dumm, seine Taten vor laufender Kamera zuzugeben. Er behauptete, dass er nicht auf die BewohnerInnen von Sant Anna geschossen habe, sondern links an der Kirche vorbei gezielt habe. Die linksalternative Wochenzeitung „Jungle World“ fing einige Reaktionen in Freiberg auf. Weder die Oberbürgermeisterin Frau Dr. Uta Rensch, noch der Pfarrer Breutel konnten sich für die Aktion der Jugendlichen erwärmen. Ihnen schien die Angelegenheit eher peinlich zu sein. Ein Wort der Anteilnahme für die Opfer oder die Überlebenden und deren Angehörigen in Italien kam niemanden von ihnen über die Lippen.
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