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| fbÄ #45 - Artikel #2 - - - jul 2005 |
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Eure Luftwaffe ohne uns! Die Ausstellung Unsere Luftwaffe in Freiberg ist Geschichte. Der eher spärliche Protest dagegen auch. Waren es 1993 noch Hunderte, denen bei Unser Heer das Gruseln kam, zeigte die Luftwaffenshow exemplarisch, wie sehr das neuerwachte Selbstbewusstsein des Militärs schon Normalität ist. Und wie wenig das heute noch aufregt. Auch das ist ein Erfolg der nun mit Getöse endenden Ära Schröder. Gab es vor Jahren noch massive Proteste gegen steigende Rüstungsausgaben und sinnlos für Eurofighter und neue Panzer verschleuderte Steuermilliarden, muss heute schon die mehrheitlich doch konservative Presse die Unsinnigkeit von Projekten, wie die des Raketenabwehrsystems MEADS, benennen, weil die Friedensbewegung durch den offenen Verrat der Bündnisgrünen an ihren Wurzeln wieder auf das geschrumpft ist, was sie vor den Achtzigern war: Eine Handvoll Pazifisten und ähnliche Menschenfreunde, ein paar Linke, die dem Militärsystem des Kapitalismus schon aus politischen Gründen nichts abgewinnen können und ein Häuflein Christen, die die Bergpredigt zu ernst nehmen. So gesehen, war der relativ leise Protest in Freiberg und anderen sächsischen Städten schon fast ein Erfolg. Immerhin, die Herren (und auch ein paar Damen) in Uniform blieben nicht ganz ungestört: Schon bei der Eröffnung war die Friedensinitiative Freiberg mit einem Infotisch und diskussionsfreudigen Menschen präsent und auch gefragt, desgleichen auch an den Folgetagen, wo vor allem Schulklassen das in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit lockende Bild eines Karrierestarts mit der Waffe vermittelt werden sollte. Und auch zum großen Benefizkonzert des Luftwaffenorchesters gab es fremde Klänge in Form von Informationen über das Verhältnis der Benefizbrosamen zu den Milliarden, die - würden sie nicht der Rüstung geopfert - die Kassen des Sozialstaates locker füllen würden. Der eigentlich traurigste Akt war die Kundgebung am Samstag. Mag sein, es war der heißeste Tag weit und breit, bis heute, wo diese Zeilen entstehen, war es nicht wieder so warm. Mag sein, Samstag nachmittags waren alle zum Kaffee bei Mama oder den Schwiegereltern... Jedenfalls waren es gerade mal 35 Leute, die sich einfanden, ihren Protest zu bekunden. Schade, vor allem auch für die Gruppe der Varvarin- Unterstützer, die sich im Anschluss aufmachten, um ein weiteres Mal die Sache der unschuldigen Bombenopfer auch unserer Luftwaffe zu vertreten. Die Sache von Menschen, die mit als erste Opfer der neuen Militärdoktrin wurden, die die Verteidigung Deutschlands ins Ausland verlegt. Schade auch für alle, die vielleicht doch den Fakt bedenklich gefunden hätten, dass das neue Europeen Defense Paper offen ausspricht, wie man sich die militärische Zukunft vorstellt: Eingeplant sind Regionalkriege zur Verteidigung europäischer Interessen, deren Mission der Stabilitätsexport zum Schutz der Handelswege und des freien Flusses von Rohstoffen ist. Die Opium- und Burenkriege in Kolonialzeiten und die Gräueltaten gegen Hereros und andere Kolonialvölker wurden mit den gleichen Argumenten gerechtfertigt. Was ist eine wortreiche Entschuldigung gegenüber den Opfern von damals angesichts dieser Planungen eigentlich wert? Schade auch für alle Alg II Empfänger, die hätten vernehmen können, dass für dem Kaufpreis eines Eurofighters 16.000 (Sechzehntausend!) von ihnen ein Jahr lang den doppelten Grundbetrag hätten erhalten können. So wüssten sie wenigstens, wofür sie den Gürtel enger schnallen. Womit wir wieder bei Kanonen statt Butter wären, ein in Deutschland sehr populärer Slogan, immer wieder. Und wer Kanonen baut, braucht bekanntlich auch Kanonenfutter. Das einzuwerben war der eigentliche Zweck der Show. Man kann nur hoffen, dass sie nicht allzu erfolgreich war. Jörg Thümmler, Vorstandsmitglied der Friedensinitiative Freiberg e.V.
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