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fbÄ #40 - Artikel #2 - - - sept 2004
16. Antifacamp in Weimar/Buchenwald

[Sannje] Über 150 vorwiegend junge Antifaschisten waren wieder für eine Woche nach Weimar gereist um an den verschiedensten Arbeitsprojekten und zahlreichen Veranstaltungen teilzunehmen. Archäologische Grabungen im Lager und die Suche nach dem SS – Schießstand auf dem Gelände der DAW bildeten einenHauptschwerpunkt der Arbeiten. Seit 8 Jahren arbeiteten erstmalig wieder Mitglieder des Camps im Lager. Bei den Ausgrabungen wurden sehr interessante Stücke sichergestellt, teilweise konnten sie direkt Häftlingen zugeordnet werden. So konnte anhand einer gefundenen Plakette der Weg eines 17-jährigen ungarischen Judens – Rubin Abraham – Anfang 1945 vom Lager Groß – Rosen bis zur Einweisung in die Baracke 51 im Kleinen Lager von Buchenwald belegt werden. Hauptschwerpunkt der Grabungen war aber auch die Sicherstellungen von Artefakten, die durch Raubgrabungen ans Tageslicht gekommen waren. Andere Projekte wie Bahndamm oder Steinbruch wurden in diesem Jahr fertig gestellt bzw. werden, wie zum Beispiel der Pferdestall, nächstes Jahr weitergeführt. Im Camp wurden Zeitzeugengespräche geführt, Filme gezeigt und Diskussionsrunden durchgeführt. Interessante Gäste waren zu Besuch. Otto Rothmann kam als 17- jähriger 1943 in das KZ Buchenwald. Er hatte in seiner Heimatstadt Flugblätter gegen den faschistischen Krieg geklebt. Er schilderte eindrucksvoll vom Lagerleben, wie ihn die Genossen der Lagergemeinschaft prüften und schließlich in den Widerstand einbezogen. Hanna Podymachina und Heiner Fink waren einen Tag später zu Gast. Hanna ist die Tochter eines kommunistischen Reichstagsabgeordneten und diente während des 2. Weltkrieges in der Roten Armee als Pilotin, später wird sie Oberleutnant und dient in einer Propagandaabteilung. Heiner Fink berichtete über die bundesdeutsche Gedenkstättenpolitik. Am Beispiel der Wehrmachtsdeserteure machte er die unterschiedliche Behandlung der Geschichte deutlich. In Bautzen wurden viele eingesperrt und hingerichtet. Eine Gedenkstätte für die „Opfer des Stalinismus“ gibt es, eine für die Wehrmachtsdeserteure – trotz vielfacher Versprechen - immer noch nicht. Aber wir haben unser antifaschistisches Gedankengut auch in die Stadt Weimar getragen. Jeden Tag fanden zwischen 11 und 14 Uhr Lesungen antifaschistischer Texte auf dem Theaterplatz statt. Unsere treuesten Zuhörer waren Goethe und Schiller, sie waren die ganze Zeit anwesend. Der Großteil der Weimarer Bevölkerung nahm diese Aktion positiv auf, jedoch fehlten auch nicht die Versuche alter und junger Faschisten uns zu stören. In Weimar gibt es das so genannte „Gewandhaus“, von dem aus der bundesweite Naziversand „Phoenix“ unter der Leitung von Ingo Grönwald existiert. Trotz einer Razzia vor ein paar Jahren werden weiter rassistische und antisemitische Produkte in Form von CD´s, Kleidung und Fanartikeln angeboten. Als wir davon erfuhren, wurde eine Spontandemo unter dem Motto: „Naziläden schließen in Weimar und anderswo!“ durchgeführt. Später erfuhren wir das Grönwald eine aktuelle Lieferung rechter CD’s vorsichtshalber erst mal abbestellt hatte. Respekt, Respekt! Die Demonstration endete, nachdem wir die Weimarer Polizei zum Laufen und Schwitzen gebracht, die Bereitschaftsbullen in schlechte Laune versetzt hatten am Goetheplatz und bei gutem Essen und guter Musik genossen wir gemeinsam mit den Weimarer Bürgern das schöne Sommerwetter. Provokationen einiger Nazis konnten abgewehrt werden. Am Donnerstag gab es dann noch eine besondere Geschichtsstunde. Teilnehmer des Camps besuchten dort das ehemalige Gelände der Firma „Topf & Söhne". Dort wurde uns die Geschichte der berüchtigten Firma nahe gebracht – vom einfachen Krematoriumsofen bis hin zur Verbrennungsfabrik in Auschwitz. Patente wurden in der Bundesrepublik Deutschland nach 45 anerkannt. Die willigen Helfer der SS – Mörder verdienten einfach weiter. Viel zu schnell war die Woche herum, mit einem riesigen Schlafdefizit, aber vielen neuen Eindrücken ging es für das reichliche Dutzend Teilnehmer aus unserer Region nach Hause. Beim Abschlussplenum wurde eingeschätzt, dass die Ziele des Camps erreicht wurden. Teilnehmer werden ihre Erfahrungen in ihre Heimatorte tragen und wir versprechen Weimar und seinen Bürgern: „2005 findet das 17. Antifacamp Weimar/ Buchenwald statt – Wir kommen
wieder!“

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