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16. Antifacamp in Weimar/Buchenwald
[Sannje] Über 150 vorwiegend junge Antifaschisten
waren wieder für eine Woche nach Weimar gereist um an den verschiedensten
Arbeitsprojekten und zahlreichen Veranstaltungen teilzunehmen. Archäologische
Grabungen im Lager und die Suche nach dem SS Schießstand
auf dem Gelände der DAW bildeten einenHauptschwerpunkt der Arbeiten.
Seit 8 Jahren arbeiteten erstmalig wieder Mitglieder des Camps im Lager.
Bei den Ausgrabungen wurden sehr interessante Stücke sichergestellt,
teilweise konnten sie direkt Häftlingen zugeordnet werden. So konnte
anhand einer gefundenen Plakette der Weg eines 17-jährigen ungarischen
Judens Rubin Abraham Anfang 1945 vom Lager Groß
Rosen bis zur Einweisung in die Baracke 51 im Kleinen Lager von Buchenwald
belegt werden. Hauptschwerpunkt der Grabungen war aber auch die Sicherstellungen
von Artefakten, die durch Raubgrabungen ans Tageslicht gekommen waren.
Andere Projekte wie Bahndamm oder Steinbruch wurden in diesem Jahr fertig
gestellt bzw. werden, wie zum Beispiel der Pferdestall, nächstes
Jahr weitergeführt. Im Camp wurden Zeitzeugengespräche geführt,
Filme gezeigt und Diskussionsrunden durchgeführt. Interessante Gäste
waren zu Besuch. Otto Rothmann kam als 17- jähriger 1943 in das KZ
Buchenwald.
Er hatte in seiner Heimatstadt Flugblätter gegen den
faschistischen Krieg geklebt. Er schilderte eindrucksvoll vom Lagerleben,
wie ihn die Genossen der Lagergemeinschaft prüften und schließlich
in den Widerstand einbezogen. Hanna Podymachina und Heiner Fink waren
einen Tag später zu Gast. Hanna ist die Tochter eines kommunistischen
Reichstagsabgeordneten und diente während des 2. Weltkrieges in der
Roten Armee als Pilotin, später wird sie Oberleutnant und dient in
einer Propagandaabteilung. Heiner Fink berichtete über die bundesdeutsche
Gedenkstättenpolitik. Am Beispiel der Wehrmachtsdeserteure machte
er die unterschiedliche Behandlung der Geschichte deutlich. In Bautzen
wurden viele eingesperrt und hingerichtet. Eine Gedenkstätte für
die Opfer des Stalinismus gibt es, eine für die Wehrmachtsdeserteure
trotz vielfacher Versprechen - immer noch nicht. Aber wir haben
unser antifaschistisches Gedankengut auch in die Stadt Weimar getragen.
Jeden Tag fanden zwischen 11 und 14 Uhr Lesungen antifaschistischer Texte
auf dem Theaterplatz statt. Unsere treuesten Zuhörer waren Goethe
und Schiller, sie waren die ganze Zeit anwesend. Der Großteil der
Weimarer Bevölkerung nahm diese Aktion positiv auf, jedoch fehlten
auch nicht die Versuche alter und junger Faschisten uns zu stören.
In Weimar gibt es das so genannte Gewandhaus, von dem aus
der bundesweite Naziversand Phoenix unter der Leitung von
Ingo Grönwald existiert. Trotz einer Razzia vor ein paar Jahren werden
weiter rassistische und antisemitische Produkte in Form von CD´s,
Kleidung und Fanartikeln angeboten. Als wir davon erfuhren, wurde eine
Spontandemo unter dem Motto: Naziläden schließen in Weimar
und anderswo! durchgeführt. Später erfuhren wir das Grönwald
eine aktuelle Lieferung rechter CDs vorsichtshalber erst mal abbestellt
hatte. Respekt, Respekt! Die Demonstration endete, nachdem wir die Weimarer
Polizei zum Laufen und Schwitzen gebracht, die Bereitschaftsbullen in
schlechte Laune versetzt hatten am Goetheplatz und bei gutem Essen und
guter Musik genossen wir gemeinsam mit den Weimarer Bürgern das schöne
Sommerwetter. Provokationen einiger Nazis konnten abgewehrt werden. Am
Donnerstag gab es dann noch eine besondere Geschichtsstunde. Teilnehmer
des Camps besuchten dort das ehemalige Gelände der Firma Topf
& Söhne". Dort wurde uns die Geschichte der berüchtigten
Firma nahe gebracht vom einfachen Krematoriumsofen bis hin zur
Verbrennungsfabrik in Auschwitz. Patente wurden in der Bundesrepublik
Deutschland nach 45 anerkannt. Die willigen Helfer der SS Mörder
verdienten einfach weiter. Viel zu schnell war die Woche herum, mit einem
riesigen Schlafdefizit, aber vielen neuen Eindrücken ging es für
das reichliche Dutzend Teilnehmer aus unserer Region nach Hause. Beim
Abschlussplenum wurde eingeschätzt, dass die Ziele des Camps erreicht
wurden. Teilnehmer werden ihre Erfahrungen in ihre Heimatorte tragen und
wir versprechen Weimar und seinen Bürgern: 2005 findet das
17. Antifacamp Weimar/ Buchenwald statt Wir kommen
wieder!
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