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| fbÄ #39 - Artikel #1 - - - juli 2004 |
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Nazi-Deckerts Mann im Kreistag
Nur 6 Jahre nach der Gründung eines NPD-Kreisverbandes in Freiberg ist es der Partei gelungen sowohl in den Kreistag als auch in den Stadtrat einzuziehen. Noch im Jahr 2003 lief das Verbotsverfahren gegen die rechtsradikale Partei. Ein Jahr später ist es für viele Freiberger kein Problem, diese Partei in die Kommunalparlamente zu wählen. Ein guter Zeitpunkt einen der Freiberger Protagonisten dieser Partei und nun künftiges Kreistagsmitglied näher zu beleuchten. Die Rede ist von Sandro Kempe. Der erste Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes, Ullrich Lambrecht, wurde bereits nach relativ kurzer Zeit durch den aufstrebenden Neo-Nazi Sandro Kempe in seinem Amt beerbt. Seine Karriere in der Neonaziszene begann früh. Bereits 1992 wird Kempe auf einer Liste der „Nationalistischen Front“geführt, eine der erfolgreichsten Organisationen des militanten Neofaschismus der 90er Jahre. Regelmäßig war Kempe auf Neonazi-Veranstaltungen anzutreffen. So nahm er unter anderem am Pressefest der rechtsradikalen Zeitschrift „Europa Vorn“ 1998 in Dresden teil, im gleichen Jahr besuchte er mit etwa 30 Neo-Nazis aus Freiberg eine NPD-Kundgebung in Chemnitz. Im Jahr 1999 war er unter anderem auf dem NPD-Bundesparteitag in Mulda anzutreffen. Im Mai 2000 nahm Kempe am „2. Tag des nationalen Widerstandes“ der NPD in Passau teil. Im Jahr 2003 war Kempe Besucher des Pressefestes der NPD in Meerane.Vor seiner Wahl in den Kreistag des Kreises Freiberg war Kempe jedoch nicht nur für die NPD aktiv. Er war gleichzeitig Pressesprecher und Galionsfigur der Freiberger „Kameradschaft Norkus“. Durch die Verwendung des Postfaches der NPD-Freiberg war leicht ersichtlich, dass es sich hierbei eher um eine Vorfeldorganisation der „großen“ Partei handelte. Die neonational-sozialistische Kameradschaft schaffte es sogar zu einem Eintrag in den sächsischen Verfassungsschutzbericht. Nachdem der ehemalige Bundesvorsitzende der NPD, Günter Deckert, den ehemaligen Dorfgasthof Gränitz erwarb, um darin ein Nazizentrum einzurichten, war auch der Kamerad Kempe nicht weit. So berichtete Kempe in einem Artikel der Nazi- Postille „Mitteldeutsche Jugend Zeitung“ das er in Deckert eine Art Ersatzführer und „Parteisoldaten“ sehe. Da die Tugend des Parteisoldaten auch Kempe nicht fern liegt, ließ er sich von Deckert prompt zum Hausmeister ernennen. Der Rest der braunen Kameradschaft wurde zu Deckerts Hilfsarbeitern. Ein ambivalentes Verhältnis pflegt Kempe zu körperlicher Gewalt. So wurde Kempe und seinen Freiberger NPD-Kameraden von einer Dortmunder Gruppierung „Feigheit vor dem Feind“ vorgeworfen nachdem sich diese vor einer Schlägerei mit Antifaschisten am Rand des Nazi-Gedenkmarsches am 13.2. in Dresden, drückten (s. FreibÄrger Nr. 37). Keine Distanzierung konnte man jedoch von den Folterexzessen des inzwischen zu fünfeinhalb Jahren Haft Verurteilten Jens Fischer vernehmen, einem alten Bekannten von Sandro Kempe. Der Nazi-Schläger hatte zusammen mit zwei Mittätern einen Bekannten bestialisch gequält. Viel Freude werden die Mitglieder des Kreistags mit den von Kempe verfassten Pamphleten haben. Manche von ihnen haben sich die Suppe auf Grund ihres laxen Umgangs mit dem Rechtsradikalismus selbst eingebrockt. Die Redaktion vom FreibÄrger wurde mehrfach heimtückisch von Kempe mit von ihm verfassten Texten behelligt. Der Ausdruck sowie die Grammatik des Sandro K. sind weder mit der Neuen-Rechtschreibreform, noch mit der PISA-Studie zu vereinbaren. Von den zu Verschwörungstheorien neigenden Inhalten sei hier gänzlich geschwiegen. Bis vor kurzem klebte die NPD in Freiberg Aufkleber mit dem Slogan „Das System hat keine Fehler – Das System ist der Fehler“. Eine klare Absage an die Demokratie und das parlamentarische System in der BRD. Auf die Auflösung des Widerspruchs, sich trotz dieser Aussage in ein Kommunalparlament wählen zu lassen, darf man gespannt sein. |
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