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fbÄ #38 - Artikel #3 - - - mai 2004
Freiberg demonstriert gegen Sozialabbau

[nry] „Treibt die Republik zur Zeit Richtung Weimar? Schemenhafte Schatten tauchen als Parallelen vereinzelt auf: Vier Millionen Arbeitslose. Soziale Unrast. Klassenkampf – Parolen. Uneinigkeit im bürgerlichen Lager, Zuwachs links der SPD.“ Hirngespinste übereifriger linker Intellektueller? Nein! Die Parallelen zeigen sich ganz deutlich. Obiges Zitat stammt aus der „Blöd“ – Zeitung vom 17.April. Selbst die können es nicht verschleiern. Steuerreform zu Ungunsten der Kleinverdiener: Bildungsabbau, Rentenkürzung, Gesundheits-“reform“, Zusammenlegung von Arbeitslosen – und Sozialhilfe ..und .... und.... Der bundesdeutsche Kapitalismus ist nicht mehr in der Systemauseinandersetzung gebunden, die freie Ausbeutung á la Amerika ist nun möglich. Billigjobs, Zwangsarbeit für Arbeitslose, Abbau der Sozialleistungen, aber wachsendes Militärbudgets. Man ist wieder wer. „Freiheit und Demokratie“ verteidigt man am Hindukusch. Her mit dem kolonialen Stück Kuchen. 1919 und 1939 hat man es vergeigt. Nun auf ein Neues. Und die Bürger? Otto Normalverbraucher? Gewerkschaften? Schwere Sache! Sind es doch nicht die Schwarzen, die uns zur Zeit bescheißen. Die Sozialdemokraten machen wieder mal die Drecksarbeit fürs Kapital. So langsam wird „Mensch“ aber rebellisch. Und die Gewerkschaften beginnen sich zu regen. Der 3.April hat es gezeigt. Messen müssen wir die Herren Sommer und Co. aber nicht an markigen Worten, sondern an ihren zukünftigen Taten. In Freiberg existiert seit November 2003 ein „Runder Tisch gegen Sozialabbau“. In ihm sind Sozialverbände, Linke Parteien und vor allem auch Jugendgruppen vereint. Stand in den ersten Wochen die Selbstfindung und Verständigung untereinander im Vordergrund, wurde Anfang 2004 die Aufklärungsarbeit in den Vordergrund gestellt. Infotische, Veranstaltungen mit Experten standen im Mittelpunkt der Arbeit. Von der Jugend kam der Vorschlag auch in unserer beschaulichen, sächsischen Idylle eine Demo durchzuführen. Erstmal Schock. Dann aber wurde geplant. Schnell war man sich einig, den Zusammenhang der zentralen Gewerkschaftsaktionen zu unserer Demo klar heraus zu stellen. Tausende Flugblätter wurden verteilt, Bekannte angesprochen und doch stellte sich nun heraus, wir haben nicht alle Freiberger erreicht. Am 17.April, einem schönen Frühlingstag, war es dann soweit. Gut 100 Menschen im Alter von 10 – 80 Jahren trafen sich am Brauhof. Unterwegs kam richtig Stimmung auf. Rasseln, Trillerpfeifen weckten Freiberg auf. Es schlossen sich sogar noch spontan Menschen an. Am Rathaus erfolgte dann die Abschlusskundgebung, vor fast 150 Leuten. Vertreter der Gewerkschaft, der Volkssolidarität und GBM sprachen zu den Versammelten und auch Schüler und ein Student sagten ihre Meinung. Umrahmt wurde die Kundgebung durch Gedichte von Tucholsky und Weinert, geschrieben 1930. Parallelen zum Ende der Weimarer Republik? Ja, beklemmend und deutlich. 48 Stunden vor unserer Kundgebung stand an der selben Stelle ein Infostand der NPD, 48 Stunden nach uns stehen sie wieder eine Woche lang, Tag für Tag. Schöne Demokratie! Das Kapital droht mit seinen braunen Banden. Ausgeklungen ist der Tag mit einer Kranzniederlegung am Thälmann – Denkmal, zu seinem 118. Geburtstag. Deutlich mehr Bürger unserer Stadt als in den letzten Jahren nahmen daran teil. Wir hätten mehr sein können, ja müssen! Aber es war ein Anfang und jeder Erfolg muß irgendwann erstmal anfangen! Für ein gerechtes Leben kann man getrost auf die Agenda 2010 und ihrer kapitalistischen Logik verzichten.

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