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fbÄ #33 - Artikel #1 - - - juni 2003
Back to the roots und andere rassistische Gepflogenheiten

[cs] In Freibergs Ausländerbehörde tut sich was: Dem Zeitgeist entgegen und zurück zu altbewehrten Methoden zog es Christa Helbig&Co. So findet man die Amtstoiletten der freundlichen Beamten bei Besuchen stets verschlossen. Und wie sollte es anders sein, dieses Phänomen ist auf dieser Etage des Landratsamts einzigartig. Zuerst könnte man meinen, dass die Damen und Herren vielleicht Schloss und Riegel vorschoben, um weitere Wege auf andere Toiletten im Amt auf der Frauensteiner Straße auf sich zu nehmen. Das viele Sitzen und „Selektieren“ kann nur unangenehme Gewichtsprobleme zur Folge haben und die Gattung "Büromensch" weiß, dass sie nicht allein die Milchschnitte auf Dauer fit halten wird. Auch die finanzielle Lage des Kreises könnte sie in die Enge getrieben haben: an allen Klobecken und -rändern muss gespart werden, professionelle Reinigungskräfte sind kaum noch finanzierbar.

Diese gutgemeinten Spekulationen sind jedoch weit gefehlt. Der wahre Grund ist die Angst vor unangenehmen Krankheiten und Seuchen. Man kann ja nie wissen, was die „Buschbevölkerung“ nun noch für unerforschte Viren ins wohlbehütete und saubere Freiberg schleppt. Schließlich kennen die Angestellten und Beamten die abschreckenden Zustände im Asylbewerberheim Chemnitzer Straße aus den Medien. Da die Meinung, dass die wenigsten ausländischen Mitbürger die europäischen Standardklos richtig benutzen, weit verbreitet ist, will es mensch nicht erst soweit kommen lassen. Gefeit vor Angriffen beißenden Urins und anderen Exkrementen haben nur die dort Arbeitenden den Schlüssel zur Befreiung von drückenden Lasten. Wahrscheinlich reichten die finanziellen Mittel nicht, um sich teure Schilder „Nur für Deutsche“ extra anfertigen zu lassen. Der „FreibÄrger“ könnte in diesem Falle natürlich einen Spendenaufruf starten: Wer noch Emailleschildchen mit rassistischen Aufschriften aus Adolfs Zeiten im seinem heimischen Keller bunkert oder gar als Andenken an der Stubenwand hängen hat, kann sie in Freibergs Ausländerbehörde auf der Frauensteiner Straße vorbeibringen. Vielleicht werden wenigstens sie freundlich empfangen. Die nächste Etappe wäre dann der Mundschutz. Die drohende Gefahr von SARS liegt nur einige tausend Kilometer von uns entfernt. Was, wenn die Seuchenwelle auch unsere Ausländerbehörde überfluten wird?

Übrigens sucht die „Alexander-Humboldt-Stiftung“ im Mai und Juni die „Freundlichste Ausländerbehörde“ Deutschlands. Das riecht verdammt nach Geld, denn den Sieger erwarten 25.000 Euro. Diese Summe könnte Löcher in Freibergs Haushalt stopfen. Schöner wäre es, das Geld in die übriggebliebenen Asylbewerberheime oder die neue Unterbringungsmöglichkeit in Flöha zu investieren. Die Kriterien sind nicht all zu hoch angesetzt: kurze Bearbeitungszeiten, Kompetenz, Fremdsprachenkenntnisse, Freundlichkeit... „ Der Preis soll [...] dazu anregen, die Objektive schärfer auf eine Behörde zu richten, die gemeinhin als verstaubt und nicht gerade hilfreich gilt.“ Irgendwo schon gehört. Auch der hohe Anteil ausländischer StudentInnen an der TU Bergakademie schreit gerade zu nach Reformen in unserer städtischen Behörde. Sie repräsentiert nur wenig ein „weltoffenes“ Freiberg. Tipps und Kniffe können sich unsere Vertreter bei den Ausländerbehörden Erlangen, Freiburg und Wismar holen, denn sie gewannen den Preis im vorigen Jahr.

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