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| fbÄ #32 - Artikel #2 - - - april 2003 |
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Stell Dir vor, Du oder Dein Kind fährt ins Ausland um dort zu studieren... Die erste Reaktion der meisten ausländischen Studenten auf meine Frage nach den Problemen, die ihnen in Freiberg begegnen, sind die Worte: „Es gibt keine Probleme“. Erst nach kurzer Diskussion folgt die Überlegung. Doch da gibt es einiges, was erwähnenswert ist. Im Großen und Ganzen sind aber die ausländischen Studenten selbst im Stande oder mit kleiner Hilfe der Kommilitonen bzw. der Uni die Hürden des Lebens in Freiberg zu überwinden. Das Leben im Ausland fördert Selbständigkeit, Initiative und macht reifer. Nur wenige brauchen kurze Zeit um auszudrücken, was sie so sehr quält. Diejenigen, die sich sofort öffnen, leiden meistens unter der Diskriminierung und den kulturellen Unterschieden. Obwohl wir in dem Fall des wahrgenommenen Rassismus im Kreis der ausländischen Studenten selbst sehr oft kritisch sind. In den heißen Diskussionen kommt die Frage auf, in wieweit die Diskriminierung in den Köpfen der Afrikaner vorprogrammiert ist und ob es ihnen an Selbstbewusstsein fehlt. Vielleicht wollen sich manche, wie z.B. die Asiaten oder Araber überhaupt nicht integrieren. Doch die Gegenargumente sind auch sehr schnell da. Mit ein bißchen Mühe aller entwickelt sich eine bessere Kommunikation und Integration. Die nicht europäisch aussehenden Studenten sind sehr offen und suchen selbst nach den Kontakten mit uns. Bemerkenswert ist ihre Wärme und Offenheit gegenüber den anderen Menschen. Die Unterschiede in den kulturellen Umgangsformen sind auch empfindlich spürbar. Besonders für die südlichen Kulturen. Sensibilität und Zeit für die anderen sind irgendwo im hektischen Leben der westlichen Kulturen verschwunden Alles hat zwei Seiten und erfordert eine „goldene Mitte“. In dem studentischen Leben gibt es kleinere und größere Probleme, auf die die Institutionen „dieses freien und internationalen Bergs“ Einfluss nehmen könnten, um nicht nur uns Studenten, aber auch sich selbst das Leben einfacher und angenehmer zu gestalten. Das was darunter provokativ wirkt, soll auch so wirken. Diese Provokation, die ich mir erlaubt habe, soll aber nicht als Gegenreaktion Aggression und Feindlichkeit aufbauen sondern zum Nachdenken, zur Diskussion und praktischer Umsetzung der Lösungen motivieren. Darunter habe ich fünf Probleme dargestellt, die am meistens in den Diskussionen mit den ausländischen Studenten erwähnt wurden. RechttransparenzUm diplomatisch zu bleiben, werde ich an dieser Stelle konkrete Fragen stellen,
auf die ich auch präzise Antworten erhalten möchte. Die Sprache ist sowohl eine kommunikative als auch eine kulturelle Barriere.
Aufgrund seiner ausländischen BürgerInnen nimmt Freiberg den Rang einer „internationalen
Stadt“ ein. Viele Ausländer besitzen nur wenig oder keine Deutschsprachkenntnisse.
Für diese Menschen müssen Voraussetzungen geschaffen werden, um die Sprachbarrieren
abzubauen. In den Behörden und in den Straßen gibt es keine englischsprachigen
Beschriftungen. In solchen Institutionen wie Rathaus oder Ausländerbehörde fehlen
die Mitarbeiter, die über ausreichende Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Für
die asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Studenten, die ein englischsprachiges
Studium abschließen, gibt es große Probleme bei den einfachsten Formalitäten
wie Anmeldung oder Visumverlängerung. Die nicht deutschsprachigen Studenten
lösen ihre Probleme so gut sie können mit der Hilfe von ein paar deutschsprachigen
Kommilitonen. Das ist aber nicht immer möglich und führt zu großem Zeitaufwand.
Wie schlecht müssen sich auch diese Menschen fühlen, wenn sie immer wieder von
anderen abhängig sind? Noch schlimmer wird für sie die Situation, wenn Mangel
an Verständnis zu weiteren Diskriminierungen seitens der Angestellten führt,
was auch oft genug in der Ausländerbehörde passiert. Der muss acht geben, der
weder Deutsch noch seine eigenen Rechte kennt. Wenigstens der Einkauf in einem
Super- Markt klappt auch ohne Deutsch. Wohnungen sind in Freiberg knapp und nicht immer ist das Studentenwerk im Stande zu helfen. Eine Lösung stellt eine private Wohngemeinschaft dar. Doch wenn man ganz neu in die Stadt kommt, keine Bekannten hat, dabei noch geringe Deutschkenntnisse aufweist und nicht weiß, welche Rechte man als Mieter hat, kann man große Schwierigkeiten haben, eine entsprechende Wohnung für sich zu finden. Daraus ergibt sich die Frage: Warum wurde bisher keine Wohnungsvermittlung gegründet, die die Studenten, vor allem die ausländischen bei der Wohnungssuche aktiv unterstützen könnte? Kulturelle Unterschiede und Stereotypen - Ich kann die deutsche Kultur nicht verstehen – alle Leute sind so zurückhaltend und kalt;
bei uns lässt man nicht zu, dass die täglichen Probleme ihren negativen Einfluss
auf die menschlichen Kontakte haben und wenn ich hier sehe, dass jemand wegschaut
oder keine Lust auf ein Gespräch hat, passe ich mich an. - FRAGEZEICHEN AUF DEM GESICHT – sagte zu mir ein schwarzer Bekannter, mit dem
ich mich einmal auf dem Untermarkt unterhalten habe, und zeigte mit dem Kopf
auf die vorbeigehenden Menschen (oder soll ich hier eher sagen Freiberger Bürger),
die uns ... na ja... angestarrt haben. Fragezeichen? Ja! Fragezeichen, weil
sich ein weißes Mädchen mit einem „Schwarzen“ auf der Straße auf englisch unterhielt.
Fragezeichen, weil der ghanaische Kerl die Hand seines weißen Freundes während
des Gesprächs hält. Wie finanziere ich mein Studium?
Ich kann und will nicht mehr von den Eltern finanziell abhängig sein. Das ist
eine häufige Frage in dem Studentenkreis, deren Antwort im Fall der Ausländer,
besonders von nicht EU-Bürger, nicht so einfach zu finden ist. Viele leben in
der Überzeugung: entweder sind wir reich, kriegen hohe Stipendien oder wir arbeiten
schwarz. Das ist ein großer Irrtum. Gerne würden uns einige als Aushilfe oder
Praktikanten einstellen, aber sie bieten uns kein Entgelt an. Schwarzarbeit
meiden wir alle, nicht nur weil es gegen das Gesetz ist, sondern weil auch gegen
unsere Rechte verstoßen wird und das Einkommen unsicher ist. Die Arbeit als
HiWi an der Uni ist knapp. Einen Vertrag in einer Firma bekommt man meistens
nur in den Ferien, bezahlt werden wir so wie Hiwi´s, und wenn wir Arbeit finden,
dann ausgerechnet in einer Stadt, wo höhere Lebenshaltungskosten entstehen. |
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