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fbÄ #30 - Artikel #2 - - - dezember 2002
„THOUGHTS FROM AMERICA”

[fump] The land of the free, home of the brave, in God we trust, united we stand. The US is a very strange place. We are on tour there now performing in over 25 cities and its stranger than i ever remembered from previous visits. We, in Europe, sometimes stumble in the idea that the US is some ‘paradise’. ‘Thats where hip hop culture originated from...’ etc. Yes the last statement is true but also whilst being here also is true that hip hop is taken for granted. On TV you can see loads of ‘black orientated’ music programs. U can hear ‘black orientated’ music on radio shows (well in the big cities that is). There are a million internet cites and shops selling you stuff. Videos, marker pens, records but most significantly here its image. Its a lifestyle. If you have the money, you can buy the image, the life. Hip Hop is big business here. Big egos, big cash, big cars, big everything except on real content...

Hip Hop in the US is part of pop culture. It ain’t the subculture you once heard in StyleWars. It ain’t revolutionary, fresh, new, groundbreaking anymore.
[...] Memories are short. Presentation and look sometimes is even more important than what they [rappers] say.
[...] I guess this is all past of what America is, a big contradiction. U see when artists say they are different, they actually mean they are the same as everyone else. When people say they have freedom it actually means that they are puppets of someone else. when they say they are thuggin or pimpin they actually mean they live with their moms.”
DJ Vadim

“The US is a very strange place.” indeed Komisch? Für die Mehrheit der US Bürger wäre natürlich genau diese Aussage komisch. Als mich eine meiner Mitschülerinnen in der Highschool fragte, ob es in Deutschland denn auch Autos und Ampeln gäbe, fand ich das ja mehr schade. Die Verwunderung über meine feste Überzeugung, dass wir eben Deutsch und nicht Englisch sprechen, hat mich dann schon weniger erstaunt. Für jeden sind die Verhältnisse selbstverständlich, unter denen er/sie aufwächst, also ist es im Prinzip überall strange, kommt nur darauf an, was man selbst als normal ansieht. Trotzdem ist es in den USA oft stranger als anderswo, für uns ‘zivilisierte’ Europäer dabei sicher weit weniger als zum Beispiel für einen afrikanischen Buschmann. Dieser würde auch schon nach kurzer, oberflächlicher Betrachtung den wohl gravierendsten Unterschied zwischen Europa und den USA feststellen. Im ‘Land of the free’ ist alles größer. -’big everything’- Kaum zu glauben, sogar die Menschen sind größer. Dieser mehr in Breite als in Höhe zu messende Vorsprung kommt ja bestimmt von den vielen riesengroßen Kühlschränken, der Coca Cola, oder den riesigen Burgern, Pizzas und Sandwiches; möglicherweise aber auch von den in Bau und Anzahl größeren Automobilen und ihrer häufigeren Nutzung. Vielleicht kommt das höhere Durchschnittsgewicht der USAmerikaner auch von ihren meist fetteren Brieftaschen, den ausgeprägteren Egos und dem einfach großartigsten Leben in der unendlichsten Freiheit auf unserem Planeten. Auch die Herzen der US-Bürger scheinen aus edlerem Material gefertigt zu sein. Ich persönlich war wirklich positiv überrascht von ihrer Freundlichkeit und Gelassenheit im Alltagsleben. Selbst an meiner High School, die für dortige Verhältnisse überdurchschnittlich streng und korrekt ist, bestand ein viel angenehmeres Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern, als ich es bei uns überhaupt für möglich halte. Wo in Deutschland oft eher Angst vor Fremden oder krasse Kälte gegenüber Mitmenschen vorherrscht, besitzen viele Nordamerikaner eine ungeahnte Kontaktfreudigkeit und man ist schnell ‘down’ mit neuen Bekanntschaften, wobei auch hier ein wenig Vorsicht mit dem eigenen Vertrauen nie schadet.

enough already

Wo alles größer ist, müssen es auch die Widersprüche sein.
Wenn alles enorm übertrieben und manchmal schon absurd erscheint, sind es eben vor allem die Gegensätze.
In unmittelbarer Nachbarschaft zu meinem Wohnort bauten viele Reiche riesige Villen mit noch riesigeren Gartenanlagen für Millionen von Dollar und bewohnten diese dann doch nur drei Wochen im Jahr. In den Projects (housing projects der Regierung aus vergangenen Jahrzehnten=Ghettos) sieht man dann je nach der momentanen geographischen Lage vor allem Schwarze, Latinos, Mexikaner und andere Minderheiten. Genauso gibt es natürlich auch Weiße, Gemischte und Irgendwie drekkige und heruntergekommene Wohngebiete. Man trifft dort auf Jugendliche, die, konträr zu ihrer eigentlichen sozialen und finanziellen Lage, meist geradewegs vom Dreh des neuesten Rap Videos voll Gold und Ärschen kommen könnten. Die eigene Situation und die in den Medien präsentierten Ideale führen zu oft total verdrehten Wertvorstellungen. Waffen, Gewalt, Drogen und street language müssen sein, Lyrik ist höchstens mit viel Bass auf Chromrädern interessant und Frauen erarbeiten sich ihren Objektstatus oft noch selbst. Das Leben ist schnell und die Lebenden rücksichtslos, Inhalt zählt nichts im Vergleich zum Style. „If you have the money, you can buy the image, the life.“ Die Wurzeln dessen gehen zurück bis zur Entstehung des ‘American Dream’ und des Amerikanischen Way of Life. In allen ihren heroischen Einzelheiten wird die Geschichte des Landes in vielen Jahren ‘American History’ und dem täglichen Leben gepaukt. Kritik an der eigenen Vergangenheit, an Sozialem oder der derzeitigen Politik ist fast schon tabu. Das Selbstbewusstsein im ‘Land der Mutigen’ scheint unbegrenzt.

Trotzdem fällt es mir schwer, Kritik an den Menschen selbst zu üben. Sie sind einfach davon überzeugt, die USA wären das Non plus Ultra und fehlende Weltoffenheit ist kein Problem. Einige waren schon für ein paar Wochen auf Sightseeing in Europa, ansonsten gibt es nur 2 angrenzende Länder. Kanada wird oft als der lächerliche kleine, schwache Partner im Norden gesehen, über den sich perfekt Witze reißen lässt. Mexiko liegt wohl im Süden, ist korrupt, in Cancun scheint die Sonne und in Tijuana wächst viel grünes Gras.

Viele Jugendliche heute sehen sich selbst als extrem alternativ und sind der Meinung, anders zu sein als der Rest. Nichts Neues; Mit nur diesem ‘Anderssein’ im Kopf und keinen konkreten Ansatzpunkten hört man halt bestimmte Musik, konsumiert die ‘korrekten’ Drogen, kleidet sich entsprechend dem Image und hasst gewisse Andere. Das dies alles noch perfekt in den staatlich und gesellschaftlich vorgesehen Rahmen passt, ist schwer zu erkennen from ‘Inside da Machine’. Schließlich hat man doch noch nie etwas Abweichendes vorgesetzt bekommen. Ohne direkte Probleme oder alternative Denkanstöße wird niemand auf alternative Gedanken kommen. Hier mag der aufmerksame Zeitgenosse wieder zu recht erkennen, dass das ja bei uns nicht besser ist. True.

Doch in den USA ist wirklich alles einfach übertrieben. Das mächtigste Land ist sozusagen eine Karikatur vom Rest der Welt und wir nur die Nachäffer, die alles gleichmachen wollen, müssen und werden. Mit dem immer weiter steigenden ideellen Wert des Geldscheins und dem fortschreitenden Verlust von Inhalten und unabhängigen Ideen werden auch bei uns Image und Äußerlichkeiten noch mehr die Kultur und das Miteinander oder eben Nebeneinander bestimmen, als sie es ohnehin schon tun.

[still, big up the j-fab]

Na he! Gar nichts Neues gesagt und nur wieder übliche Klischees aufgewärmt? check this: Die erlebte Realität ist leider noch krasser, klischeehafter, lächerlicher und grausamer als in der stumpfesten 80er Jahre US Soap oder meinetwegen auch dem neuesten Hollywood Actionfilm.

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