STOP! dem Nazi-Zentrum in Gränitz
Organisierte Neo-Nazis im Landkreis Freiberg? Auf diese Frage antworten Polizeiführung
und Kommunalpolitiker
regelmäßig mit "gibt es nicht" oder "nicht so schlimm", die "Sprüher" gelten in Freiberg als
weitaus gefährlicher.
Unumstößlicher Fakt jedoch ist: die organisierten Neo-Nazis werden noch in diesem Frühjahr
über ein neues Zentrum
verfügen, von dem sie ihre menschenverachtenden Verbrechen noch besser ausführen können. Seit
dem der notorische
Nazi Günter Deckert das Dorfgasthaus in Gränitz im August erworben hat, sollte jedem
Landkreisbewohner klar sein,
was auf Freiberg zukommt. Beispiele für solche Zentren und deren politische Ausstrahlung gibt
es genug: Wurzen, Zittau
in Sachsen, Club 88 in Neumünster oder das inzwischen verbotene und aufgelöste Zentrum in
Hetendorf
(Niedersachsen). Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative "Kein Nazizentrum in Gränitz...
und anderswo" gegründet,
die am 12. April eine Bürgerversammlung im Rathaus von Langenau veranstaltet. Aus deren
Flugschrift veröffentlichen
wir im folgenden einige Passagen, die wir noch um eigene Recherchen ergänzen.
[fbÄ]
Wer ist Günter Deckert?
Der heute 62-jährige Deckert stammt
aus Heidelberg und war bis zu seinem
Rauswurf aus dem Staatsdienst 1988
Gymnasiallehrer für Englisch und Französisch
in Baden-Württemberg. Mit 25
Jahren trat er der NPD bei und war von
1991 bis 1995 ihr Bundesvorsitzender.
Seinen Einfluß machte der
Holocaustleugner und Ausländerhasser
Deckert auch in anderen neo-faschistischen
Organisationen geltend. Er ist
Gründungsmitglied der „Deutsch-Europäischen
Studiengesellschaft“ (DESG),
war Referent des ‘Staatspolitischen
Clubs’ Frankfurt , JN-Bundesvorsitzender,
Gründer der „Arbeitsgemeinschaft
Nationaldemokratischer Lehrer“, NPDFunktionär,
Verfasser ausländerfeindlicher
Schriften, Autor in den neo-nazistischen
Zeitschriften „Nation und Europa“,
„Deutsche Monatshefte“ und „Unabhängige
Nachrichten“. Daneben ist
Deckert noch Geschäftsführer und Inhaber
der Agentur „Germania Reisen“ und
Reiseleiter für die Türmer-Kulturreisen.
Deckert ist mehrfach wegen Beleidigung
zu Geldstrafen verurteilt worden
und hat wegen Volksverhetzung im Gefängnis
gesessen. Die Liste der Anklagepunkte
gegen Deckert ist eindrucksvoll:
Volksverhetzung, Aufstachelung
zum Rassenhass, Verunglimpfung des
Andenkens Verstorbener, falsche Verdächtigung
von Behörden und Polizeibeamten,
Verleumdung, Beleidigung.
In den achtziger Jahren tat er sich durch
rassistische Hetze gegen Flüchtlinge und
hier lebende ausländische Mitbürger
hervor, in den neunziger Jahren intensivierte
er die Verbreitung antisemitischer
und revisionistischer Propaganda.
STOP! dem Nazi-Zentrum in Gränitz
Deckert ist maßgeblich für die Radikalisierung
der NPD durch die Öffnung
gegenüber der militanten Neonazi-Szene
verantwortlich.
Anfang 1990 organisierte er Verbindungen
der NPD zu nazistischen Gruppen
und Parteien in Argentinien, insbesondere
zur "Partido Nacionalista de
los Trabajadores" (PNT).
Im Oktober 2000 wurde Deckert aus
dem Knast entlassen. Er behauptete, dass
er an der Universität Straßburg Rechtswissenschaft
studiere. Tatsächlich aber
hatte er sich zum Wintersemester 2000/
01 an der Universität Heidelberg immatrikuliert.
In der Nazipostille „HNGNachrichten“
bot er bereits Dienste als
Rechtsbeistand „vorrangig in Strafsachen“
beim Amtsgericht an. Im Juli 2001
stellte die Staatsanwaltschaft Stuttgart
nach dreijährigen Ermittlungen das Verfahren
wegen des Verdachts der Untreue
gegen den ehemaligen Bundesvorsitzenden
der NPD ein. Am 8. August
2001 gab die erst kürzlich gegründete
„Bürgerinitiative Ausländerstopp“
bekannt, dass Deckert als deren Kandidat
für das Amt des Nürnberger Oberbürgermeisters
antreten werde.
Hinter der nach eigenen Angaben überparteilichen
Wählergruppe verbirgt sich
die örtliche NPD. Deckert zog seine
Kandidatur später zurück. Im August
2001 erwarb Deckert den Gasthof
Gränitz für ca. 5000 DM und gibt an,
dort eine „Straußwirtschaft“ und eine
Jugenddiskothek zu eröffnen. Auf dem
letzten bundesweiten Treffen der NPD
im März in Königslutter scheiterte
Deckert mit seinem Versuch, den weiterhin
amtierenden Bundesvorsitzenden
der NPD, Udo Voigt, auszuschalten.
Hilfe erfuhr Deckert vor allem von
der inzwischen selbstaufgelösten "revolutionären
Plattform" innerhalb der
NPD, die im wesentlichen von dem
Neo-Nazi Steffen Hupka angeführt wurde.
Im Vorfeld des Parteitreffens hatte
Hupka eine Liste erstellt, auf der
Deckert der Posten eines stellvertretenden
Bundesvorsitzenden zugeteilt
wurde.
Ein funktionierendes Nazi-Zentrum in
Gränitz würde Deckert und auch Hupka
bei ihren Vorhaben die NPD unter ihrer
Kontrolle zu bekommen, sehr nützlich
sein, zumal dort gerade die jungen Nachwuchskräfte
eingebunden werden könnten.
Neben Saufgelagen und Nazi-Konzerten
könnte in Gränitz auch ein Schulungszentrum
geführt werden. Deckert
hat die Zeitschrift "Recht und Wahrheit"
von dem Wolfsburger Georg Albert
Bosse übertragen bekommen. In der
Ausgabe Nr. 1 und 2/2002 teilt Bosse
seinen LeserInnen mit, dass sein "langjähriger
Gesinnungsfreund... und unerschrockene
Kämpfer...Günter Deckert"
das Frühjahrs-Herbstlesertreffen weiterführen
wird.
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