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fbÄ #24 - Artikel #2 - - - september 2001
Freiberger Neo-Nazis aus Internet vertrieben!

[ray] Die Anzahl rassistischer und rechtsradikaler deutscher Internet-Seiten hat sich seit 1999 auf etwa 1000 mehr als verdreifacht, meldete die „Deutsche Presseagentur“ (dpa) am 22. August. Freiberger Neo-Nazis aus dem Umfeld der NPD hatten mit einer eigenen Seite zum Anstieg des Nazi-Netzes beigetragen. Inzwischen haben gewiefte Netz- Nutzer die Freiberger Seite aus dem Internet vertreiben können. Unter dem Namen „Kameradschaft Norkus“ stellten die Freiberger einschlägiges zum Thema Neo-Faschismus ins Netz. Auf ihrer Home-Page berichteten sie von ihren Aktivitäten, die darin bestanden, mit einer eigenen Gruppe zu verschiedenen überregionalen Nazi-Treffs zu fahren. So nahmen die Freiberger - meistens drei oder vier Halbstarke - an Nazi-Aufmärschen in Dresden, Zittau, Zwickau und an Schulungstreffen in Dresden teil.
Kontakt zu der „Kameradschaft“ konnte man über Handy, das Postfach der NPD in Freiberg und via e-mail bekommen.

Die Freiberger nannten sich nach „Herbert Norkus“, einem Mitglied der Hitlerjugend (HJ), das 1932 in Berlin bei Auseinandersetzungen mit AntifaschistInnen tödlich verletzt wurde. Das Leben von Norkus wurde als Vorlage für das Buch und den Film „Hitlerjunge Quex“ von den Nazis propagandistisch ausgeschlachtet. Die Mitglieder der „Kameradschaft Norkus“ aus Freiberg bewarben auf ihrer Internet-Seite verschiedene Veranstaltungen wie ein „nationales Fußballturnier“ in Berlin, forderten zum Besuch vers c h i e d e n e r Ausstellungen wie „100 Jahre Wandervogel- Jugendbewegung“ vom „Heimatverein Steglitz“, einer „Preußen“ - Schau oder zu der Ausstellung „Otto der Große“ in Magdeburg auf. Für die Teilnahme an einer Fahrt zur „Ostwall Besichtigung - Bunkeranlagen“ wurden 340 DM Teilnahmegebühren verlangt. Besonders auffällig die Betonung von Männlichkeit und Soldatentum. Das Lieblingszitat spricht Bände: „Tadelt nicht die Taten der Soldaten, Leuten, die da sterben sollen, sollt ihr geben, was sie wollen! Laßt sie trinken, laßt sie küssen, denn wer weiß, wann sie sterben müssen!" Aus der Indienststellungs- Zeitung von U-2540 am 24.02.1945. Eine andere Quelle, aus der die Internet-Seiten-Macher schöpften, fanden sie im „deutschen Heldenbuch - von deutscher Ehre und Mannestreue“. Vorbildcharakter für die Freiberger Neo-Nazis haben HJ-Mitglieder, aber ebenso Otto von Bismarck, der in Freiberg auch von Mitgliedern der Stadtverwaltung und Gymnasiallehrern heiß geliebt wird. Den überregionalen Zusammenschluß suchten die Freiberger auf zwei als „Trauermärsche“ getarnten und zu Propagandazwecken organisierten Aufmärschen in Zwickau (2. Juni) und Zittau (7. Juli). Mehr als drei oder vier „Kameraden“ konnten sie aber nicht aus Freiberg mobilisieren, obwohl zum NPD Aufmarsch am 1. Mai in Dresden noch ca. 30 Freiberger zur Teilnahme bewegt werden konnten. Sie lesen vornehmlich Literatur, in der die Geschichte des Nationalsozialismus beschönigt wird und sie haben einen ausgeprägten Drang nach „Helden“ aus der Zeit des deutschen Faschismus an der Macht. Sie holen ihre Information bei denen, die nie aufgehört haben an den Faschismus zu glauben. Quellen ihres Gedankenguts sind zum Beispiel „Das Ritterkreuz“, Mitteilungsblatt der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger und sie besuchen Veranstaltungen auf denen faschistische Zeitzeugen reden. In Dresden lauschten sie dem Vortrag eines Mitglieds der „5. SS - Panzerdivision Wiking“, die durch ihre besondere Brutalität im Osten bekannt wurde.Ihre Beiträge auf der Home-Page unterzeichneten die Freiberger Neo-Nazis mit symbolträchtigen Pseudonymen, „Rommel“, „Rudolf“ oder „8blacksun8“. Nicht schwer zu erkennen, wem ihre Sympathien aus dem faschistischen Deutschland gelten. Und sowieso zählt für sie der Satz: “Unsere Großväter waren keine Verbrecher”. Die suchen sie eher in den Reihen von „Linken“. Die Schließung des Jugendclubs im Schloß begleiteten sie in einem Beitrag mit der Überschrift „Stadt Freiberg auf linken Auge doch nicht Blind“ mit Häme.

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