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fbÄ #23 - Artikel #2 - - - august 2001

Straßenschlacht in Dresden

[Peter Conrady] Während dem Dresdner Stadtteilfest “Bunte Republik Neustadt” (BRN) kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen Jugendlichen und der Polizei.
So versuchte die Polizei in der Nacht zu Sonntag ein Punkkonzert aufzulösen, nachdem sich AnwohnerInnen über den Lärm beschwert hatten. Hier standen dann zunächst 30 Beamte etwa 300 bis 400 Jugendlichen, vorwiegend Punks gegenüber. Die Punks griffen die Polizei mit Steinen und Flaschen an, welche daraufhin noch Verstärkung erhielt, so dass am Ende etwa 100 Polizisten im Einsatz waren. Nicht nur, dass die Polizei die Situation von Anfang an völlig falsch eingeschätzt hatte, gelang es ihr die ganze Nacht nicht, die Situation in den Griff zu bekommen. Bis in die Morgenstunden lieferten sich die Punks Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es kam zu vereinzelten Plünderungen, auch Barrikaden wurden gebaut und angezündet. Nach diesen, für Polizei wie Veranstalter “völlig überraschenden” Erlebnissen, wurde beschlossen, dass die BRN am Sonntagabend schon um 18 statt wie sonst um 22 Uhr beendet werden sollte. Das bedeutete, ab 18 Uhr sollten mehrere 10.000 BesucherInnen des Stadtteilfestes die Neustadt verlassen. Dass das nicht funktionieren konnte war klar.

Dazu wurde das Polizeiaufgebot auf ca. 590 Beamte aus anderen Bundesländern aufgestockt. Schon am Sonntagnachmittag kam es zu massiven Provokationen durch die Polizei. Während einer stattfindenen “Reclaim the streets” – Party, wurden mehrere friedlich tanzende Jugendliche verhaftet. In den Abendstunden begannen die Beamten, die Neustadt “luftleer” zu machen. (so ein Polizist zu einer Journalistin über seinen Auftrag) Die Polizei versuchte, die Menschen vor sich her zu treiben, um so die Neustadt wieder “ruhig” zu bekommen. Die Stimmung wurde, ob soviel polizeilicher Dreistigkeit zunehmend aggressiver. Schließlich wurde die Polizei wieder mit Steinen und Flaschen angegriffen. Inzwischen versuchte die Polizei die komplette Neustadt abzuriegeln und ließ Menschen zwar hinein aber nicht mehr heraus. Das Konzept der Polizei, die Leute mit Gewalt aus der Neustadt zu treiben, scheiterte an der besseren Ortskenntnis der Jugendlichen. So wirkten die Bemühungen der Polizei eher etwas hilflos. Im weiteren Verlauf des Abends wurden die Auseinandersetzungen zunehmend stärker. Es flogen wieder Flaschen und Steine, welche von Polizisten teilweise auch zurückgeworfen wurden. War es der Polizei gelungen eine Straße “Störerfrei” zu bekommen, musste sie auf einer anderen Straße wieder nachgeben. Auch an diesem Abend brannten wieder mehrere Barrikaden, teilweise mehrere Meter hoch. Die Neustadt glich bis in die nächsten Morgenstunden einem riesigen Polizeikessel. Auch wenn die Jugendlichen immer wieder die Polizei angriffen, kann dennoch bemerkt werden, dass die Polizei selbst zu einem großen Teil zu den Auseinandersetzungen beigetragen hat.

Die Beamten traten mit einer ungewöhnlichen Brutalität auf. So gerieten nicht nur vermeintliche Straftäter ins Visier der Staatsschützer, sondern alles und jeder, der sich gerade in der Neustadt aufhielt. Mindestens ein älterer Mann wurde von Beamten zusammengeschlagen, so dass er ins Krankenhaus musste, ebenso mehrere Jugendliche, Unbeteiligte wie Beteiligte, die schon am Boden liegend, noch von Beamten zusammengetreten wurden. In den ersten Montagsstunden handelte die Polizei nach dem Motto “Knüppel frei”. Wahllos wurde auf jeden geschlagen, der nur ein falsches Wort sagte oder überhaupt noch da war. Mit einer nur noch als menschenverachtend zu bezeichnenden Vorgehensweise wurden Leute zusammengeschlagen und festgenommen. Die Härte dieses Einsatzes war nicht gerechtfertigt, schließlich war der größte Teil der Jugendlichen schon lange wieder weg und die, die jetzt noch da waren, wollten eigentlich nur noch nach Hause. Nicht einmal vor den VertreterInnen der Presse machte die Polizei halt. Mehrere Journalisten wurden leicht verletzt und massiv in ihrer Arbeit behindert. Alles in allem musste zwangsläufig der Eindruck entstehen, dass hier die Polizei versuchte, ihre Schlappe vom Vortag auszumerzen und sich dafür rächen wollte. Was bleibt ist die Gewissheit, dass ein Polizeistaat, der so wütet, immer auf Widerstand treffen wird und muss.

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