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fbÄ #23 - Artikel #1 - - - august 2001

Integration - sagten Sie?

[Geronimo] Vor ungefähr 2 Wochen habe ich mir eine Sendung in ARD über die Juden in Deutschland angesehen. Ein Mädchen, das gefragt wurde, wie sie sich in Deutschland fühlte, sagte sie fühle sich nicht als Deutsche. Sie ist hier geboren, hat einen deutschen Paß. Deutsch ist ihre Muttersprache. Sie sagte, sie fühle sich nicht akzeptiert, wenn die Leute später merken, daß sie Jüdin ist. Zuvor kam eine Sendung, wo die Politiker dieser Republik von Ausländern sprachen, die hier leben und trotzdem die deutsche Sprache nicht lernen wollen. Für solche Ausländer wäre die Integration fast unmöglich. Aber wie können die Leute (Ausländer) sich Mühe geben, um sich zu integrieren, wenn Deutsche, weil sie Juden sind, sich nicht Zuhause fühlen? Es gibt noch so viele Deutsche, die denken, dass Juden, die hier seit mehreren Jahrzehnten leben, Ausländer sind.

Nach dieser Sendung ist mir einiges klar geworden. Ich bin zwar Ausländer, aber bei mir fällt es bestimmt sofort auf, weil ich anders aussehe. Ich bin Schwarz. Immer soll ich solche Fragen beantworten, wie: Woher kommst Du? Was machst Du hier? Und wie lange noch? Und was machst Du dann? Ich war in Frankreich, in Belgien, in der Schweiz. Solche Fragen wurden mir nie gestellt. Weil dort kann ein Schwarzer ein Franzose sein, dort kann ein Schwarzer ein Belgier sein. Dort kann ein Schwarzer ein Schweizer sein. Hier ist es die Ausnahme. Wie kann ein jüdischer Deutscher dazu beitragen, Ausländer zu integrieren, wenn er sich selbst als Ausländer in seinem eigenen Land fühlt? Wie kann sich ein Ausländer integrieren, wenn jeden Tag irgendwo in Deutschland Ausländer angegriffen werden? Wie kann ein Ausländer sich integrieren, wenn in einem Laden, in einer Verwaltung er sich sofort anders behandelt fühlt, weil er anders aussieht? Einige Leute werden bestimmt sagen: sie sind doch nicht gezwungen hier zu bleiben und zu leben. Es mag sein. Aber solange Deutsche auch ohne Problem in anderen Ländern leben können, haben auch die anderen das Recht zu leben, wo sie wollen.

In Deutschland gibt es viele Organisationen, viele Leute sogar Linke, die so tun, als ob sie sich wirklich um andere Menschen kümmern. Aber wieviele von denen kennen das Leben von den Ausländern in Deutschland? Wieviele waren schon in einem Asylheim? Wieviele wollen schon auf der Straße mit einem Ausländer gesehen werden? Wieviele wollen zu sich nach Hause einen Ausländer einladen? Sehr, sehr wenige. Viele wollen nur irgendein schlechtes Gewissen beruhigen oder ein bestimmtes Establishment ändern.

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