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| fbÄ #21 - Artikel #2 - - - märz 2001 |
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Tatort Bahnhof Seit Oktober lernt Aminata Yallah* am Studienkolleg der Bergakademie Freiberg Deutsch. Später will die 21 Jahre junge Kamerunerin Umweltwissenschaften oder Geoökologie studieren. Da kann man in Deutschland viel lernen. Dass man dafür einiges in Kauf nehmen muss, weiss Aminata spätestens seit dem 2. Januar 2001. Als sie aus den Neujahrsferien zurückkommt und gegen 18 Uhr den Bahnhof betritt, wird sie von einer Gruppe Jugendlicher mit lauten Rufen als “Scheiß Ausländer” empfangen.
Die 14- bis 16jährigen Schüler hatten schon im Dezember den Bahnhof zu ihrem Treffpunkt auserkoren und vertrieben sich hier bei einer Flasche Bier die Zeit. “Sie haben rumgeblödelt, waren aber immer friedlich und sind nie auf Leute losgegangen.”, erinnert sich eine Mitarbeiterin des Reisezentrums. Ganz normale Jugendliche wären sie gewesen, keine auffälligen “Glatzen”, und rassistische Sprüche hätte sie von ihnen auch nie gehört. Völlig unpolitisch also. Nur einmal, als sie den Bahnhof abends nach Dienstschluß verließ, hätte einer von denen auf dem Bahnhofsvorplatz “Heil Hitler” gebrüllt. Der sei dann aber gleich von einem kahlköpfigen Freund aufgefordert worden, sich hier ordentlich zu benehmen. Mit anderen Worten, die Jungs haben sich im Griff. Aminata
hat die Gruppe, darunter einige Glatzen und mit weiss geschnürten Stiefeln Bewehrte,
nicht so friedlich erlebt. Als sie die Bahnhofshalle verlassen will, verstellen
ihr die Jungs den Weg. Sie bilden im Vorraum der Halle einen Kreis um sie und
finden es spassig, sie hin und her zu schubsen. Die lauten Beschimpfungen hören
nicht auf. Aminata erhält einen Tritt in die Nierengegend. Die Polizei wird dann auch keineswegs von der Bahn gerufen, sondern von einem Freund, den Aminata über ihr Handy bittet, sie am Bahnhof abzuholen und nach Hause zu begleiten. Aber er kann erst in einer halben Stunde da sein. Sie hat Angst, auf den Bahnhofsvorplatz zurückzukehren, um sich ein Taxi zu nehmen. Allein nach Hause laufen – dazu fehlt ihr ebenso der Mut. Nachdem ein Passant sich weigert, ihr ein Taxi vom Bahnhof 200m hinüberzuschicken, nimmt sie all ihren Mut zusammen und geht selbst. Kaum ist sie im Studentenwohnheim angekommen, meldet sich die Polizei, nimmt routiniert ihre Aussage auf, kontrolliert ihre Papiere und fragt sie, was sie denn überhaupt in Freiberg mache... Damit ist Aminatas Geschichte jedoch noch nicht zu Ende. Eine Woche lang bleibt sie zu Hause, verlässt dann das Wohnheim nicht ohne Begleitung. Schliesslich erstattet sie Anzeige bei der Polizei. Dort legt man ihr Fotos vor, auf denen sie einen der Angreifer erkennt. Nach Auskunft der Polizei hat diese Gruppe noch am 2. Januar zwei Freiberger Jugendliche angegriffen. Ausserdem wird in einer Reihe weiterer Körperverletzungsdelikte gegen sie ermittelt. Einen organisatorischen Hintergrund sieht die Polizei nicht. Und von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit will man auch nicht reden. Also alles ganz “normal” in Freiberg? * Name von der Redaktion geändert |
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