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fbÄ #20 - Artikel #1 - - - januar 2001
Glückauf!!!
Bundesbruder Konrad Heinze und seine schlagenden Argumente

[ray] Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift für den Deutschen Burschenschafter hat ihren Mitgliedsbünden ganze Ausgaben gewidmet. Im 3. Quartal 2000 war die Freiberger Burschenschaft Glückauf an der Reihe. Besondere Aufmerksamkeit widerfährt dem hauptsächlich verbandsintern vertriebenen Blättchen immer dann, wenn sich offizielle Amtsträger als „Burschen“ oder „Alte Herren“ outen. Dadurch kommt den Organisationen eine Bedeutung zu, die ihnen im Alltag nicht zusteht. Andererseits wird so auf erschreckende Art und Weise deutlich wie tief die sogenannte Elite mit dem faschistoiden, völkisch-nationalen braunen Sumpf verknüpft ist. Die fünf Jungmänner, die in Freiberg den aktiven Kern der Burschenschaft Glückauf bilden und sich zu großen Deutschen aufblasen, zu wahren Verfechtern von Nationalismus und Männerwahn und sich damit auch schamlos im World-Wide-Web präsentieren, müssen von demokratisch gesinnten BürgerInnen im Auge behalten werden.

Seine Grenzen dürfte der amtierende Oberbürgermeister der Stadt Freiberg, Konrad Heinze, einmal wieder überschritten haben, indem er sich die strammrechten Burschies von der Glückauf ins Rathaus holte und mit ihnen ein Gespräch führte, dessen Inhalt in den „Burschenschaftlichen Blättern“ Ausgabe 3/2000 wiedergegeben wird. Bei der Ausführung seines Amtes ist ein Oberbürgermeister zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet. Heinze stört das wenig. Im Gespräch mit den Burschies zieht er richtig vom Leder: die zweitstärkste Partei im sächsischen Landtag, die PDS, wird als „extreme Partei“, die eine „Gefahr für die Demokratie“ darstelle, bezeichnet. Nach Heinzes Überzeugung kann ein starkes Auftreten der Verbindungen in der Öffentlichkeit einer solchen Gefahr entgegen wirken. Heinze scheint mit der augenblicklichen Zusammensetzung der Freiberger Studierenden nicht zufrieden zu sein und wirbt kräftig für die Burschen-Truppe, die sich im Internet selbst als deutsch, furchtlos und treu bezeichnet.

„Auf keinen Fall gilt für mich das Verbindungsstudententum als überholt“, fabuliert der Oberbürgermeister für die rechte Leserschaft der „Burschenschaftlichen Blätter“ und fährt belehrend fort: „Die Verbindungen standen am Beginn unserer freiheitlichen und demokratischen Entwicklung im 19.Jahrhundert. Sie haben dafür gekämpft und zum Teil einen hohen Preis gezahlt. Sie stehen auch heute wieder dafür -gegen Gleichmacherei, Miesmacherei, Beliebigkeit - und streiten für bewahrungswürdige Tugenden. So gibt es heute in Freiberg wieder vier oder fünf Verbindungen. Aus diesem Grunde und aus den genannten Gründen bin ich auch dem VDSt beigetreten, in dem schon mein Vater aktiv war. In der Öffentlichkeit müssen wir wohl verstärkt für unsere Ziele und Ansichten werben, die kommunistische Propaganda und linke Geschichtsfälschung haben durchaus ihre Folgen hinterlassen. So wünsche ich, daß das Verbindungswesen in Freiberg wieder einen wichtigen Stellenwert im universitären Leben erlangt.“ Das gemeinsame WIR, das in dem Gespräch zwischen Bundesbruder Heinze und und der schlagenden Burschenschaft Glückauf vom OB selbst formuliert wird, beruht nicht nur auf der offenkundigen gegenseitigen Sympathie, sondern auch auf den gleichen Grundfarben, die Heinzes Studentenverbindung VDSt und Glückauf vereint: schwarz-weiß-rot. Die Farben des Kaiserreichs, jener autoritäten Zeit, in der es nur Herrschende und kadavertreue Untertanen geben sollte. Ein reaktionärer Traum des OB, der wie die Institution „Glückauf“ auf den Misthaufen der Geschichte gehört. Dass schwarz-weißrot auch bevorzugt von militanten Neo- Nazis in der Öffentlichkeit gezeigt wird, ficht den OB Heinze nicht an. Warum auch: sein anderer Organisationsbezug, das christlich-konservative Forum, wirbt auf seinen Internetseiten für die faschistoiden Publikationen „Junge Freiheit“, „Criticon“ und „Wir Selbst“ ebenso wie für die revanchistischen Blätter „Ostpreußenblatt“ und „Fritz“. Warum der OB sich mit Leuten gemein macht, die aus ihrer Sympathie und Verbindung zu faschistoiden Kräften in diesem Land keinen Hehl machen, sollte er der Öffentlichkeit schon erklären. Vier Seiten nach dem Gespräch mit Heinze, schwafelt der „rechtsextreme“ Multifunktionär Hans-Ulrich Kopp über den Aufenthalt von Theodor Koerner in Freiberg.

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