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| fbÄ #17 - Artikel #2 - - - mai 2000 |
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Eindrücke von der Kerosinka, der Moskauer Uni Unsere Mitarbeiterin, Katy Unger, studiert
ein Semester in Moskau. Hier ihre ersten Eindrücke vom Moskauer StudentInnenleben: In der Uni riecht es fast ständig nach Farbe und man braucht ziemlich lange, um sich in den langen Gängen des achtstöckigen Hauptgebäudes zu orientieren. Die Seminarräume sind bis auf die Holzbänke mit Klappsitzen und eine Tafel karg ausgestattet. Die blaue, grüne, graue oder braune Ölfarbe bröckelt auf das abgetretene Parkett. Im Keller befindet sich die Bibliothek. In Spitzenzeiten, zu Semesterbeginn, wartet man hier bis zu anderthalb Stunden in der Schlange, bis man seine Buchbestellung aufgeben kann und die Bücher von der Bibliothekarin ausgehändigt bekommt. Dafür kann man die Lehrbücher dann bis zum Ende des Semesters behalten, was einem weitere Besuche in der Bibliothek erspart. Die höhere Bildung ist in Rußland grundsätzlich kostenpflichtig. Abhängig von der Universität und dem Fach müssen die Studenten bzw. ihre Eltern im Semester bis 900 US-$ zahlen. Die besten Studenten bekommen ein staatliches Stipendium, ihnen werden die Studiengebühren erlassen und monatlich etwa 250 Rubel (weniger als 20 DM) ausgezahlt. Ein großer Teil der Studenten studiert auf Grundlage eines dreiseitigen Abkommens zwischen dem Institut, einem Unternehmen und dem Studenten. Das Unternehmen übernimmt die Studiengebühren, wobei es von der Universität einen Rabatt eingeräumt bekommt und versorgt den Studenten nach Studienabschluss mit einer Arbeit. Zumindest theoretisch sollte es so sein. Praktisch sieht es oft so aus, dass der Vertrag zwar offiziell besteht, inoffiziell aber die Eltern der Studenten die geminderten Studiengebühren übernehmen. Häufig geht das Unternehmen auch bankrott und die Studenten müssen in der Diplomphase die Gebühren für alle absolvierten Studienjahre nachzahlen. Für alle, die weder einen Kontrakt bekommen noch bei den Aufnahmeprüfungen eine Punktzahl erreicht haben, die ein staatliches Stipendium in Aussicht stellt, bleibt nur die Möglichkeit, die hohen Gebühren aus eigener Tasche zu zahlen. Damit stellt das Studium eine große finanzielle Belastung dar, wenn man bedenkt, dass neben den Studiengebühren noch das Wohnheim, die Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr und letztendlich die Lebenskosten getragen werden müssen. Das Durchschnittsgehalt eines Dozenten an der Uni beträgt 1800 Rubel (ca. 130 DM). Als Professor erhält man bis zu 2500 Rubel. Das ist verglichen mit der Durchschnittsrente von 400 Rubel natürlich viel, reicht aber trotzdem nicht, um große Sprünge zu wagen, um eine Familie zu ernähren oder gar mehrere Kinder zum Studium zu schicken. Deshalb arbeiten fast alle Dozenten neben der Uni noch in einem privaten Unternehmen und verbringen die Hälfte der Woche dort. Diese Bedingungen sind natürlich nicht ideal. Und so kommt es dazu, dass an der Universität zu einem großen Teil alte Dozenten lehren - d.h. 60 bis 70jährige. Dem entsprechen die Lehrmethoden. Vorlesungen sind wirklich Vorlesungen. Der Lehrstoff wird diktiert, Tafelbilder sind selten, Projektionen eine Rarität (auch wenn in einigen Räumen die technischen Voraussetzungen dafür gegeben sind). Und so entwickelt sich eine eigenartige Symbiose zwischen Dozent und Student. Der Lehrer teilt dem Studenten alles mit, was er zur Prüfung wissen muss und wie er es zur Prüfung hören will. Der Student schreibt alles möglichst wortwörtlich auf, um in der Prüfung unnötige Fragen zu vermeiden - und beide Seiten sind zufrieden. |
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