Metallica und Sinfonieorchester
[Susanne]
Was bewegt einen Musiker mit anderen Musikern der so ziemlich konträrsten Musikrichtung
zusammen zu spielen? Der Traum etwas Neues zu schaffen, das Gegensätze vereint
zu einem Ganzen – egal wie harmonisch oder disharmonisch das Ergebnis sein wird.
Zwei Welten für ein paar Stunden zu einer zu vereinen, jeder spielt, was er kann:
Riffs, Noten...
Vielleicht.
Oder ist es einfach nur, den “klassischen” Musikern,
den Kritikern zu zeigen, daß mann ja auch “richtig” Musik machen kann. Ein neues
Projekt zu machen, das ein positives Echo in der Öffentlichkeit erzeugt, tausende
CD‘s, Videos, ein Image zu verkaufen, Geld zu machen.
Auf der Bühne zu stehen
und das Gefühl zu genießen, daß 1000de Leute für einen klatschen, lachen, schreien.
Vielleicht.
Am 07.01.2000 war also das Konzert von Metallica und dem Sinfonieorchester
in San Francisco auf Leinwand in der Alten Mensa zu sehen. Eine riesige Bühne
ist Ort der Handlung: im hinteren Teil das Orchester, über ihm ein Bildschirm,
der wechselnde Farbprojektionen zeigen wird, davor das Schlagzeug, davor die Gitarristen,
der Basser.
Dirigent und Band werden stürmisch auf der Bühne begrüßt, schon jetzt
ist klar, das ist nicht irgendeine Band, da vorne. Jeder im Saal weiß: das, was
er für sein Geld bekommt, muß einfach toll sein. Denn Metallica ist kein Name
– Metallica ist eine Marke.
Beeindruckende Technik auf der Bühne, jeder der Sinfonie–Musiker
hat einen Kopfhörer, das erspart Rückkopplungen, für die Gitarren benutzt man
Sender, das spart Kabel und gibt ihnen die Möglichkeit, sich frei auf der Bühne
zu bewegen. Nichts unkontrolliert, nichts zufällig, denn hier bleibt nichts der
Spontaneität der Musiker überlassen.
Was auf der Leinwand nicht zur Geltung kommen
kann, ist die große Lichtshow und das Publikum hat Sitzplätze. Ein weiterer Schritt
in Richtung klassischer Musik?
Wenn, dann ist dieser Schritt eher ein äußerlicher.
Auffällig, jedes Lied beginnt mit einem Picking von Seiten der Melodiegitarre
und wird später durch Riffs von Seiten der Rhythmusgitarre ersetzt. Die Gitarren
erhalten mehr als einmal die Gelegenheit, diesen Gegensatz auf wiederholte Art
herauszuarbeiten.
Nur die Stimme des Sängers bleibt einzigartig, vereint Gegensätze,
hat keine Effekte nötig. Der Rest bleibt im Hintergrund, obwohl auch er mit erstklassigen
Musikern besetzt ist.
Spätestens nach den ersten 3 Liedern wird man das Gefühl nicht los, eigentlich
schon alle Lieder zu kennen. Es wird nichts wirklich Neues geschaffen, sondern
nur neue Hintergrundgeräusche hinter alte Lieder (The Memory Remains, Nothing
Else Matters) gelegt.
Trotz oder gerade deswegen ist die Mehrheit des Publikums
nicht enttäuscht. Es ist schließlich nicht Sache der Fans, Kritik zu üben, Fans
konsumieren eigentlich nur. Das nimmt einer ziemlich guten Band die Möglichkeit,
sich durch Kritik zu verbessern.
Trotz allem Erfolg scheint es noch Gemeinsamkeiten zwischen bekannten und unbekannten
Bands zu geben: die Leute, die in der ersten Reihe herumstehen, interessieren
sich überhaupt nicht für die Musik, das, was da herüberkommen sollte. Für unbekannte
Bands sind das lästige Ignoranten, für bekannte: Fans.
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